ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2020Psychotherapeuten: Auseinandersetzung mit dem Tod

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Psychotherapeuten: Auseinandersetzung mit dem Tod

PP 19, Ausgabe Januar 2020, Seite 43

Maack, Carola

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Dieses Buch ist nicht so sehr eine systematische, theoretische Abhandlung über Todesangst und Trauma. Auch geht es nicht primär um Theoriebildung. Vielmehr handelt es sich um einen sehr persönlichen und trotzdem meist theoretischen Bericht. Der Autor Peter Dott – selber als Psychotherapeut in freier Praxis und als Lehrbeauftragter tätig – sah sich plötzlich mit einer potenziell tödlichen Krankheit konfrontiert. In den Phasen, in denen es ihm besser ging, begann er, sich theoretisch mit seinem Schicksal, seinen Reaktionen und den Veränderungen in seinem Selbstverständnis als Psychotherapeut auseinanderzusetzen. Hierzu zog er vor allem psychoanalytische und psychodynamische Literatur heran. Neben einem kurzen Bericht über Hintergrund und Erkrankung des Autors geht es in dem Buch um einen Literaturüberblick zu Todesangst, Theorie der Ich- und Selbstentwicklung, Mentalisierung, Fatigue, Trauma und um psychotherapeutisches Arbeiten, wenn man selber als Therapeut unter einer potenziell tödlichen Krankheit leidet.

Das Buch ist als persönlicher Prozess wertvoll und mutig. Leser, die eine systematische Abhandlung zu den einzelnen Punkten suchen, werden aber möglicherweise enttäuscht sein. So ist der Literaturüberblick nicht vollständig, und einige – durchaus interessante – Thesen werden einfach in den Raum gestellt, ohne sie weiter auszuführen oder zu begründen. Ein Beispiel hierfür ist die These, dass es zu einer Rollenumkehr und Durchbrechung der Abstinenzregel komme, wenn ein Therapeut trotz (schwerer) Krankheit arbeitet.

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Das Buch ist zudem nicht ganz leicht zu lesen. Der Leser sollte mit der psychoanalytischen Theorie, Terminologie und Denkweise vertraut sein. Mir gefällt, dass der Autor das Thema „Trauma“ im Zusammenhang mit potenziell tödlichen Erkrankungen des Psychotherapeuten einbezieht. Schade ist, dass er sich als Grundlage dafür fast ausschließlich auf Mentalisierung bezieht.

Gut geeignet ist das Buch als Anregung für Psychoanalytiker und andere Psychotherapeuten, die psychodynamisch arbeiten und sich mit Tod und eigener Todesangst auseinandersetzen wollen. Auch kann es interessant sein für Menschen, die in diesem Bereich forschend tätig sind. Carola Maack

Peter Dott: Todesangst und posttraumatisches Selbst. Über Melancholie und intensives Lebensgefühl bei schwerer Krankheit, Reihe: Therapie & Beratung. Psychosozial-Verlag, Gießen 2018, 193 Seiten, kartoniert, 22,90 Euro

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