Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Autoren betonen die Rolle der Magnetresonanztomografie (MRT) und stellen einige neue Therapieansätze vor, deren Wirksamkeit noch nicht abschließend beurteilt werden kann (1). Auch wenn sich das pathophysiologische Verständnis dieser Syndrome durch die MRT vertieft hat, möchte ich bestreiten, dass es durch die MRT oder „deutliche Fortschritte der modernen Intensivmedizin“ zu einer entscheidenden Weiterentwicklung gekommen ist.

Osmotische Demyelinisierungssyndrome können verhindert werden, indem zu rasche Veränderungen der Serumosmolalität vermieden werden (< 1 mosmol/h entsprechend 0,5 mmol/L Natrium/h, falls nur die Änderung der Natrium-Konzentration betrachtet wird). Da sich – bis auf einen plötzlich einsetzenden Diabetes insipidus centralis (Natrium-Anstieg) – alle Veränderungen der Serumosmolalität infolge von Erkrankungen nur langsam ergeben, sind diese selbst nicht ursächlich für osmotische Demyelinisierungssyndrome. Es ist die inadäquate Therapie, die die Demyelinisierungssyndrome verursacht. In der Absicht, die Hyponatriämie rasch zu korrigieren, setzt man das Hirngewebe osmotischem Stress aus.

Durch sorgfältige Planung der Infusiontherapie und engmaschige Kontrollen der osmotisch wirksamen Substanzen, gefolgt von einer adäquaten Anpassung der Infusionstherapie, lassen sich zu rasche Schwankungen der Osmolalität und damit Demyelinisierungssyndrome verhindern. Dabei ist es wichtig die Ursache der Elektrolytentgleisung zu berücksichtigen. Hierfür ist es auch erforderlich festzustellen, ob eine hypovoläme, normovoläme oder hypervoläme Hyponatriämie vorliegt. Die dafür erforderlichen Techniken (Point-of-Care-Geräte, mit deren Hilfe unter anderem Natrium und Kalium bestimmt werden können) und Erkenntnisse (keine Änderung der Osmolalität um mehr als 1 mosmol/h) sind seit langem verfügbar und bekannt. Wenn leider dennoch osmotische Demyelinisierungssyndrome auftreten, ist dies auf mangelnde Sorgfalt bei der Therapie zurückzuführen. Dabei mag eine Überlastung der Ärzte mitursächlich sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0041a

Reiner Klick

Iserlohn

reiner-klick@gmx.de

1.
Lambeck J, Hieber M, Dreßing A, Niesen WD: Central pontine myelinolysis and osmotic demyelination syndrome. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 600–6 VOLLTEXT
1.Lambeck J, Hieber M, Dreßing A, Niesen WD: Central pontine myelinolysis and osmotic demyelination syndrome. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 600–6 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige