ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020Polypsychopharmazie vermeiden
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Den Autoren möchte ich danken, dieses wichtige Thema aufgegriffen zu haben (1). Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf den Arzneimittelinteraktionen. Es werden zahlreiche potenzielle Interaktionen aufgeführt, verbunden mit dem Appell, die daran beteiligten Medikamente zu vermeiden. Aus der internationalen Literatur ist bekannt, dass es bei Polypharmazie (ab fünf Dauermedikamenten) eine enorme Zahl an potenziellen Interaktionen gibt. Daher wird von klinisch relevanten Interaktionen gesprochen, wenn die Kombination unbedingt vermieden werden muss, zwingend eine Dosisanpassung erfordert oder ein zusätzliches Monitoring – etwa in Form einer Wirkspiegelbestimmung – nach sich zieht. Von besonderem Interesse sind Interaktionen, die im klinischen Alltag zu manifesten Schäden in Form unerwünschter Arzneimittelereignisse oder ausbleibender Therapieeffekte führen. Leone et al. (2) haben aus einem großen Datenvolumen spontaner Nebenwirkungsmeldungen diejenigen herausgefiltert und quantifiziert, die auf Arzneimittelinteraktionen zurückgeführt werden können. Eine auf Psychopharmaka fokussierte empirisch gestützte Übersicht klinisch relevanter Arzneimittelinteraktionen wäre hilfreich.

Die Vermeidung von Interaktionen ist nicht unkompliziert. Dementsprechend werden zur Unterstützung diverse Checklisten und Werkzeuge empfohlen. Deren Anwendung ist im Verordnungsalltag allerdings nur praktikabel, wenn sie in ein elektronisches klinisches Entscheidungsunterstützungssystem integriert werden. Dieses System sollte – neben den nach Relevanz gestaffelten Hinweisen auf Interaktionen – beispielsweise auch Hinweise auf Dosierungsfehler und erforderliche Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz umfassen (3).

Das Ziel, eine Polypharmazie zu vermeiden, wird kurz erwähnt. Aufgrund der Fachrichtung der Autoren hatte ich auf eine Bewertung der häufig auch bei Älteren praktizierten Polypsychopharmazie gehofft: Über die parallele Anwendung von Antipsychotika, Antidepressiva und/oder Sedativa hinaus werden in der Praxis häufig Kombinationen mehrerer Antidepressiva (morgens Venlafaxin, abends Mirtazapin) oder Antipsychotika (zum Beispiel klassisch und atypisch) verordnet. Die 2019er Version der Beers-Kriterien verstärkt und akzentuiert die Warnung, drei oder mehr auf das ZNS einwirkende Medikamente bei älteren Patienten parallel anzuwenden (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0039a

Dr. med. Rainer Burkhardt

Oldenburg

rainer.burkhardt@ewetel.net

Interessenkonflikt

Dr. Burkhardt erhielt Honorare für eine Autoren- bzw. Co-Autorenschaft im Rahmen einer Publikation, bei der ein Bezug zum Thema besteht, sowie Vortragshonorare von der MedLearning AG, München.

1.
Kratz T, Diefenbacher A: Psychopharmacological treatment in older people—avoiding drug interactions and polypharmacy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 508–18 VOLLTEXT
2.
Leone R, Magro L, Moretti U, et al.: Identifying adverse drug reactions associated with drug-drug interactions. Drug Saf 2010; 33: 667–75 CrossRef MEDLINE
3.
Zenziper Y, Kurnik D, Markovits N, et al.: Implementation of a clinical decision support system for computerized drug prescription entries in a large tertiary care hospital. Isr Med Ass J 2014; 16: 289–94.
4.
The 2019 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society 2019 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc 2019; 67: 674–94 CrossRef MEDLINE
1.Kratz T, Diefenbacher A: Psychopharmacological treatment in older people—avoiding drug interactions and polypharmacy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 508–18 VOLLTEXT
2.Leone R, Magro L, Moretti U, et al.: Identifying adverse drug reactions associated with drug-drug interactions. Drug Saf 2010; 33: 667–75 CrossRef MEDLINE
3.Zenziper Y, Kurnik D, Markovits N, et al.: Implementation of a clinical decision support system for computerized drug prescription entries in a large tertiary care hospital. Isr Med Ass J 2014; 16: 289–94.
4.The 2019 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society 2019 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc 2019; 67: 674–94 CrossRef MEDLINE

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