Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Danken möchten wir Dr. Burkhardt für seine wichtigen Anregungen zur Polypsychopharmakotherapie. Insbesondere der Hinweis zur Problematik der Kombination mehrerer Antidepressiva oder Antipsychotika zeigt, dass in der Pharmakotherapie älterer Patienten eine kritische Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig ist. In unserer Arbeit (1) weisen wir deshalb auch auf die Beers-Kriterien hin. In der Beers-Liste wird empfohlen, nicht mehr als drei ZNS-wirksame Medikamente bei älteren Patienten gleichzeitig einzusetzen (2).

Dennoch ist Psychopharmakotherapie Älterer wichtig und notwendig. Das Wissen über die spezifische Pharmakodynamik und -kinetik Älterer kann dazu beitragen, Arzneimittelinteraktionen und Polypharmazie zu vemeiden. Ältere Patienten sind besonders dem Risiko einer Polypharmazie ausgesetzt. Multimorbidität, aber auch eine unkritische Anwendung aller Leitlinien für verschiedene Grunderkrankungen, können dabei ursächlich sein (3). Mit zunehmender Zahl der Medikamente steigt auch das Risiko für Arzneimittelinteraktionen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) an. Die sich im Alter verändernde Pharmakokinetik und Pharmakodynamik tragen zu einer zusätzlichen Erhöhung des Risikos bei (4).

Wir möchten darauf hinweisen, dass es für die klinische Tätigkeit zahlreiche Hilfsmittel und Instrumente gibt, um ein praktikables und sinnvolles Arzneimittelmonitoring durchzuführen und frühzeitig die Risiken für mögliche Interaktionen und UAWs zu erkennen und diese zu vermeiden. Neben dem Arzneimittelmonitoring, das eine Blutspiegelkontrolle, aber auch die Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz und bei QTc-Zeit-Verlängerungen beinhalten sollte, sind es Interaktionsplattformen, die in ihrem konsequenten Einsatz im klinischen Alltag dazu beitragen können, dass Interaktion und Polypharmazie vermieden werden. Das Wissen über pharmakologische Spezifika im Alter ist rasch erlernbar, im klinischen Alltag weniger kompliziert als erwartet und kann dazu beitragen, die Lebensqualität der betroffenen älteren Patienten zu verbessern und eine Polypharmazie und deren Risiken zu vermeiden.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0039b

Für die Autoren
Prof. Dr. med. Torsten Kratz
Abteilung für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik
Funktionsbereich Gerontopsychiatrie und -psychotherapie
Königin-Elisabeth-Herzberge Krankenhaus, Berlin
T.Kratz@keh-berlin.de

Interessenkonflikt

Prof. Kratz erhielt Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von Janssen-Cilag, Lilly und Novo Nordisk.

1.
Kratz T, Diefenbacher A: Psychopharmacological treatment in older people—avoiding drug interactions and polypharmacy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 508–18 VOLLTEXT
2.
The 2019 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society 2019 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc 2019; 67: 674–94 CrossRef MEDLINE
3.
Dumbreck S, Flynn A, Nairn M, et al.: Drug-disease and drug-drug interactions: systematic examination of recommendations in 12 UK national clinical guidelines. BMJ 2015; 350: h949 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Moßhammer D, Haumann H, Mörike K, Joos S: Polypharmacy—an upward trend with unpredictable effects. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 627–33 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Kratz T, Diefenbacher A: Psychopharmacological treatment in older people—avoiding drug interactions and polypharmacy. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 508–18 VOLLTEXT
2.The 2019 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society 2019 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc 2019; 67: 674–94 CrossRef MEDLINE
3.Dumbreck S, Flynn A, Nairn M, et al.: Drug-disease and drug-drug interactions: systematic examination of recommendations in 12 UK national clinical guidelines. BMJ 2015; 350: h949 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Moßhammer D, Haumann H, Mörike K, Joos S: Polypharmacy—an upward trend with unpredictable effects. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 627–33 CrossRef MEDLINE PubMed Central

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema