ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2000Irak: Irreführende Bildunterschrift

SPEKTRUM: Leserbriefe

Irak: Irreführende Bildunterschrift

Dtsch Arztebl 2000; 97(7): A-342 / B-305 / C-273

Scherbaum, Veronika

Zu dem Beitrag "Irak: Isolationsfolter für ein ganzes Volk" von Oliver Müller in Heft 51-52/1999:
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LNSLNS Das abgebildete Foto mit dem Begleittext . . . impliziert . . . irrtümlich die Vorstellung, dass ein Mangel an Muttermilchersatzprodukten zur Erhöhung der Kinderbeziehungsweise Säuglingssterblichkeit beiträgt. Seit zwei Jahrzehnten belegen jedoch mehrere Studien in Entwicklungsländern, dass künstliche Ernährung im Vergleich zum Stillen mit einer wesentlich höheren Säuglingssterblichkeit assoziiert ist.
Die erwähnte Tatsache, dass Babymilch meist zu teuer ist, lässt sie fälschlicherweise gerade deshalb als besonders hochwertig erscheinen. In Situationen der Armut kommt es häufig zu starken Verdünnungen der Milchprodukte, was die Entstehung von frühkindlicher Mangelernährung begünstigt. Im Zusammenhang mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen und fehlenden mütterlichen Antikörpern werden die Kinder infektanfälliger. WHO und UNICEF gehen davon aus, dass weltweit jährlich 1,5 Millionen Säuglinge sterben, weil sie eben gerade nicht gestillt wurden. Wie neuere Studien belegen, stellt ausschließlich Stillen in den ersten vier bis sechs Monaten (ohne prälaktale Nahrungszufuhr und zu frühe Beifütterungsversuche) die beste Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung auch in späteren Lebensphasen dar.
Dr. Veronika Scherbaum, Ernährungswissenschaftlerin, Universität Hohenheim, 140, 70593 Stuttgart
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