ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020Krankenhäuser: Es gibt noch viel zu tun

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Krankenhäuser: Es gibt noch viel zu tun

Dtsch Arztebl 2020; 117(3): A-47

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Eine große Krankenhausreform fehlt noch im Reigen der Gesetze von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Seine bisherigen Initiativen betreffen dennoch den stationären Bereich: Das reicht von den Änderungen im Prüfmechanismus der Krankenhausabrechnungen im MDK-Reformgesetz über das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz und die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnungen bis hin zum just vorgestellten Gesetzentwurf zur Notfallversorgung (siehe Seite 53). Die langfristigen Folgen und Erfolge bei diesen Maßnahmen sind aber noch nicht absehbar.

Und die grundsätzlichen Probleme der Krankenhauspolitik haben weiterhin Bestand: Deutschland hat zu viele Krankenhäuser und zu wenig medizinisches Personal. Zudem verschärft sich die finanzielle Situation der Krankenhäuser deutlich. Von 2016 zu 2017 ist der Anteil der Krankenhäuser, die einen Jahresverlust schrieben, von 13 auf 28 Prozent angestiegen, wie aus dem Krankenhaus-Rating-Report 2019 hervorgeht. Der Krankenhausstrukturfonds soll zwar Abhilfe schaffen und ist auch so erfolgreich, dass er mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz für die Jahre 2019 bis 2022 verlängert wurde. Eine gezielte Krankenhausplanung mit einer qualitativen Reduzierung der Krankenhausstandorte fehlt aber noch. Gleichzeitig werden Krankenhäuser in dünn besiedelten Regionen ab diesem Jahr mit zusätzlich 400 000 Euro pro Klinik gefördert. Denn „ein Krankenhaus vor Ort ist für viele Bürger ein Stück Heimat“, wie es Spahn formulierte. 

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Dass Handlungsbedarf besteht, kann niemand bestreiten. Es müssten aber die richtigen Krankenhäuser geschlossen oder zum Beispiel durch ambulante Strukturen abgelöst werden. Auch sind Fusionen sinnvoll. Schließungen müssen nicht automatisch das Ende der medizinischen Versorgung in der betroffenen Region bedeuten. Dennoch kämpfen Landespolitiker oft aus wahltaktischen Gründen um den Erhalt potenziell gefährdeter Klinikstandorte und beugen sich dem Druck der Bevölkerung. Da wundert es nicht, dass sich bei einer Umfrage der Deutschen Presseagentur der überwiegende Teil der Regierungschefs der Länder weiterhin für eine flächendeckende Versorgung von Krankenhäusern in ihrem Land aussprachen. Kurioserweise kommen die Länder ihren Investitionsverpflichtungen gegenüber den Krankenhäusern aber seit Jahren nicht in ausreichendem Maß nach. Und der Investitionsbedarf wird durch die Digitalisierung noch steigen. Die Länder haben hier zweifellos noch Nachholbedarf.

Ein weiteres latentes Problem ist das System der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG), das ökonomische Fehlanreize setzt und Krankenhäuser dazu verleitet, vornehmlich bei den Personalkosten einzusparen. Die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen ist ein erster richtiger Schritt (siehe Seite 55). Dies sollte aber auch für die ärztlichen Personalkosten gelten. Nur so wird der (ökonomische) Wert des medizinischen Personals sichtbar.

Ein wichtiger Aspekt, der in der Diskussion um die mangelnde Krankenhausfinanzierung selten vorkommt, sind die Auswirkungen auf die medizinische Ausbildung, wie vergangene Woche Proteste der Studierenden der Human- und Zahnmedizin in Mainz deutlich machten. Es mangelt an Ausstattung und an Ärzten, die sich um die Ausbildung kümmern, weil diese ansonsten in der Patientenversorgung fehlen. Das verschlechtert die Qualität des Studiums und die Motivation der Studierenden. Und das bei der Ärztegeneration von morgen, die so dringend benötigt wird. Es gibt noch viel zu tun.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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