ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020Kniegelenkbeschwerden: Marathon belastet die Kniegelenke stark, die langfristigen Risiken sind aber unklar

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kniegelenkbeschwerden: Marathon belastet die Kniegelenke stark, die langfristigen Risiken sind aber unklar

Dtsch Arztebl 2020; 117(3): A-81 / B-72 / C-68

Gerste, Ronald D.

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Foto: h368k742/stock.adobe.com
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Marathonläufe sind weltweit verbreitet, und zwar als Profi- und als Amateursport. Sportmediziner weisen darauf hin, dass exzessiver, wiederholter Stress für die unteren Extremitäten, vor allem für das Kniegelenk, die Verletzungsgefahr erhöht und langfristig zu Osteoarthritis führen kann. Schon die Vorbereitungen auf einen Marathon gehen mit einer erhöhten Rate von Kniegelenkbeschwerden inklusive patellofemoraler Schmerzen einher. Viele Teilnehmer der Massen-Marathonläufe sind Neulinge, bei denen Experten in erhöhtem Maße Gesundheitsprobleme befürchten.

Britische Orthopäden und Radiologen haben an 82 solcher Marathon-Neulinge, die erstmals beim London-Marathon 2017 an den Start gingen, eine Untersuchung durchgeführt, in deren Mittelpunkt die Analyse der Kniegelenke per MRT stand. Nach Einschätzung der Autoren ermöglicht ein High-Resolution-3-Tesla-MRT-Gerät auch subtile Veränderungen und pathologische Prozesse am Kniegelenk nachzuweisen, und zwar mit hoher Präzision.

Die Bildgebung erfolgte in den Studien ein halbes Jahr vor dem Marathon und einen halben Monat nach dem Lauf. 11 dieser im Durchschnitt 44 Jahre alten Freizeitsportler beendeten das Vorbereitungsprogramm nicht und nahmen nicht am London-Marathon teil; von den verbleibenden 71 Läufern waren 39 Frauen und 32 Männer.

Die Analyse der MRT-Befunde zeigte auf, dass bei den Marathon-Neulingen eine Verbesserung bestimmter vorgeschädigter Kniestrukturen stattgefunden hatte. Einen verbesserten radiologischen Schadensscore zeigten subchondrale Knochenmarksödeme in der Tibia und im Femur – von 26 Läufern mit diesem Befund verzeichneten 23 eine Verbesserung. Indes kam es nach dem Marathon auch zu einer Zunahme von Schädigungsmerkmalen. Der radiologische Score für knöcherne Bestandteile der lateralen Patella, für die Semimembranosussehne und die präpatellare Bursa stiegen teilweise deutlich an.

Ein iliotibiales Friktionssyndrom lag nach dem Marathon in 15 Fällen neu oder in verschlechtertem Zustand vor, in keinem Fall war es durch den Lauf zu einer Besserung der Symptomatik gekommen. Zwischen Prä- und Post-Marathon-Befunden hingegen gab es keinen signifikanten Unterschied in der Prävalenz von Meniskusläsionen. Nur eine Läuferin hatte nach dem Marathon eine höhergradige Meniskusläsion als vorher.

Fazit: „Die vorliegende Studie belegt, dass ein Marathonlauf eine erhebliche Belastung für das Kniegelenk darstellt“, kommentiert Prof. Dr. med. Peer Eysel, Leiter der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Universität Köln. „Signifikante kernspintomografische Befunde finden sich bei einem Großteil der Sportler“, so Eysel. Die klinische Bedeutung der Befunde bewertet Eysel allerdings zurückhaltend: „Um die klinische Relevanz einzuschätzen, bedarf es einer Langzeitstudie. Auf Basis dieser Untersuchung ist eine klare Aussage über Nutzen und Risiken des Marathonlaufes nicht möglich.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Horga LM, Henckel J, Fotiadou A, et al.: Can marathon running improve knee damage of middle-aged adults? A prospective cohort study. BMJ Open Sport Exerc Med 2019; doi: 10.1136/bmjsem-2019-000586.

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