ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020Spondylitis ankylosans: JAK1-Hemmer vermindert die Entzündungsaktivität und die Symptomatik deutlich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Spondylitis ankylosans: JAK1-Hemmer vermindert die Entzündungsaktivität und die Symptomatik deutlich

Dtsch Arztebl 2020; 117(3): A-81 / B-72 / C-68

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi
Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi

Die Spondylarthritis ist Folge einer vom Immunsystem ausgelösten chronischen Entzündung, die eine Inflammation des Achsenskeletts mit Ankylose und Knochenneubildung bewirkt. Ein Beginn im frühen Erwachsenenalter führt häufig zu progressiven irreversiblen Schäden an der Wirbelsäule und einer hoher Morbidität.

Chronische Rückenschmerzen gehören zu den potenziellen Symptomen, die die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Krankengymnastik sind die Eckpfeiler der Therapie in der Erstlinie, aber viele Patienten sprechen darauf nicht ausreichend oder nicht dauerhaft an.

Der JAK-Signalweg ist eine potenzielle therapeutische Zielstruktur bei dieser Erkrankung. Upadacitinib wird als selektiver JAK1-Hemmer klinisch geprüft.

An der SELECT-AXIS1-Studie haben 62 Zentren in 20 Ländern, darunter auch Deutschland, teilgenommen. Die prospektive Phase-2/3-Studie war randomisiert, placebokontrolliert und doppelt verblindet. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten mit aktiver Spondylitis ankylosans und unzureichender Response auf mindestens 2 NSAR oder mit Unverträglichkeiten für diese Substanzen. Die Teilnehmer waren nicht mit Biologika vorbehandelt.

Insgesamt wurden 187 Patienten im Verhältnis 1:1 in 2 Gruppen randomisiert: oral Upadacitinib 15 mg 1-mal täglich für 14 Wochen (n = 93) oder Placebo (n = 94). Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 14 Wochen eine 40-%ige Reduktion der Krankheitszeichen (z. B. Schmerzen, Beweglichkeit der Wirbelsäule und systemische Entzündungszeichen) aufwiesen. Erhoben wurde das Ansprechen mithilfe des Scores „Assessment of SpondyloArthritis international Society 40“ (ASAS40).

In der Verumgruppe erreichten 52 % einen ASAS40, in der Placebogruppe waren es 26 %. Die Differenz von 26 Prozentpunkten war statistisch hoch signifikant (p = 0,0003).

Unerwünschte Effekte traten bei 62 % der Patienten in der Verumgruppe auf und bei 55 % unter Placebo. Es gab keine schweren Nebenwirkungen wie Herpes-zoster-Infektionen, Malignome, Thromboembolien oder therapieassoziierte Todesfälle.

Fazit: Der selektive JAK1-Inhibitor Upadacitinib sei gut wirksam bei Patienten mit Spondylitis ankylosans, die auf eine Erstlinienbehandlung nicht ausreichend ansprechen, und außerdem gut verträglich, so das Fazit der Studiengruppe. Unter Upadacitinib reduzierte sich bei doppelt so vielen Patienten die Symptomatik um mindestens 40 % als unter Placebo. Dieser Unterschied sei klinisch relevant.

Weitere Untersuchungen seien notwendig, um zu eruieren, wie ein JAK1-Inhibitor in die Therapiealgorithmen eingeordnet werden könne, heißt es im begleitenden Kommentar (2). Bislang seien krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs) wie Methotrexat, Leflunomid oder Sulfasalazin und Glukokortikoide Optionen für die Zweitlinie. Allerdings gilt ihre Wirksamkeit bei Spondylitis ankylosans nicht als so klar belegt wie bei rheumatoider Arthritis.

Deshalb wäre eine nachgewiesen effektive Zweitlinien-Behandlung als Alternative zum bisherigen Vorgehen von großer Bedeutung. Ob diesen Platz der JAK-Inhibitor Upadacitinib einnehmen könne oder dieser eher als Drittlinientherapie infrage komme, sollte weiter geprüft werden, so der Kommentar, möglicherweise in einem Head-to-Head-Vergleich.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. van der Heijde D, Song IH, Pangan AL, et al.: Efficacy and safety of upadacitinib in patients with active ankylosing spondylitis (SELECT-AXIS 1): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2/3 trial. Lancet 2019; 394: 2108–17.
  2. Tektonidou MG: JAK inhibitors: promising for a wider spectrum of autoimmune diseases? Lancet 2019; 394: 2047–8.

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