ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020Rheumatoide Arthritis: Adipositas reduziert Wirksamkeit von DMARDs, vor allem von Zytokin-Inhibitoren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rheumatoide Arthritis: Adipositas reduziert Wirksamkeit von DMARDs, vor allem von Zytokin-Inhibitoren

Dtsch Arztebl 2020; 117(3): A-82 / B-73 / C-69

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: sutlafk/stock.adobe.com
Foto: sutlafk/stock.adobe.com

Zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland sind übergewichtig, bei einem Viertel der Erwachsenen liegt eine Adipositas vor (23 % der Männer und 24 % der Frauen; [1]). Adipositas ist physiologisch mit einer leichten, chronischen Entzündung assoziiert und das Risiko für rheumatoide Arthritis (RA) ist bei adipösen Menschen erhöht. So bildet das Fettgewebe bei Adipositas Zytokine wie Tumornekrosefaktor (TNF) und Interleukin 6 (IL-6). Diese wirken proinflammatorisch und aktivieren T- und B-Lymphozyten. Zytokine wiederum sind Zielstruktur für konventionell synthetische krankheitsmodifizierende Medikamente (csDMARDs) oder biologische DMARDs (bDMARDs).

Schon frühere Untersuchungen hatten darauf hingewiesen, dass einige DMARDs bei stark übergewichtigen Rheumapatienten weniger effektiv sind als bei Normalgewichtigen. Bislang aber gab es keine umfassende Auswertung zu den verschiedenen Substanzen unter Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren wie dem Geschlecht der Patienten. Diese Lücke füllt die deutsche Beobachtungs-Kohortenstudie „Rheumatoide Arthritis: oBservation of BIologic Therapy“ (RABBIT). Die Forscher werteten Daten von 10 593 RA-Patienten aus, die seit 2009 in das Register aufgenommen worden waren. Voraussetzung für die Aufnahme war der Beginn einer Behandlung mit DMARDs. Die Teilnehmer hatten einen BMI ≥ 18,5 kg/m2 und mussten ≥ 6 Monate lang beobachtet worden sein. Kategorien des BMI waren 18,5 bis < 25 kg/m2, 25 bis < 30 kg/m2 und > 30 kg/m2 (adipös).

5 Medikamentengruppen wurden unterschieden: csDMARDs wie Methotrexat, Leflunomid oder Chloroquin, TNF-Inhibitoren wie Adalimumab, Etanercept und Infliximab, der Kostimulations-Inhibitor Abatacept, der CD-20-Antikörper Rituximab und der IL-6-Rezeptor-Antikörper Tocilizumab. Zur Evaluation der Wirksamkeit wurde der Disease Activity Score 28 (DAS28) verwendet – unter zusätzlicher Berücksichtigung der Blutsenkungsreaktion (DAS28-ESR). Adipositas hatte dem DAS28-ESR zufolge einen wirkungsreduzierenden Einfluss bei Frauen, die csDMARDs, TNF-Inhibitoren oder Tocilizumab erhielten, und bei Männern unter Tocilizumab-Therapie. Kein Einfluss von Adipositas fand sich dagegen in der Wirksamkeit von Rituximab und Abatacept.

Fazit: „Bei adipösen Patienten gelingt es häufiger nur eingeschränkt, die Symptome zu lindern“, resümiert Erstautor Dr. rer. nat. Martin Schäfer vom Programmbereich Epidemiologie des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums. Bei Frauen waren die wirkungshemmenden Effekte der Adipositas stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie rät übergewichtigen Patienten, begleitend zu einer Therapie die Ernährung umzustellen und Gewicht zu reduzieren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Robert Koch-Institut 2014; Studie DEGS1, Erhebung 2008–2011.
  2. Schäfer M, et al.: Obesity reduces the real-world effetiveness of cytokine-targeted but not cell-targeted disease-modifying agents in rheumatoid arthritis. Rheumatology 2019; doi: 10.1093/rheumatology/kez535.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.