ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2020EU-Gesundheitskosten: Technik als Kostentreiber
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Wir haben die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsversorgung in der EU. Fast 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt müssen nachdenklich machen. Denn in der Lebenserwartung sind wir nur Durchschnitt, Spanien und Italien liegen zwei Jahre höher. An riskanterem Lebensstil bei uns und höherem Anteil von jenen mit niedrigem sozioökonomischen Status kann es kaum liegen. Neben hohen Arzneimittelkosten ist an Kosten für Medizintechnik im OP zu denken.

Dazu ein Beispiel aus der Gynäkologie: Seit circa 30 Jahren werden frühe Zervixkarzinome mit minimalinvasiver Chirurgie bzw. roboterassistierter Laparoskopie behandelt. Letzteres ist mit hohem Kostenaufwand verbunden. Die Narkosedauern sind in der Regel länger als bei Vorgehen via Bauchschnitt. Letzteres zu vermeiden, wird als Argument angeführt – bei Sectio-Raten von 30 Prozent, sogar 50 Prozent. Mit besseren onkologischen Ergebnissen, könnte argumentiert werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

An einer großen Kohortenstudie beteiligten sich 1 500 Kliniken in den USA. Von den erfassten Frauen mit frühem Zervixkarzinom (n = 2 461) wurde die Hälfte mit minimalinvasiven Methoden behandelt und davon 80 Prozent roboterassistiert. Letztere hatten eine Vier-Jahres-Gesamtmortalität von 9,1 Prozent, jene mit Laparotomie als konventioneller Methode von 5,3 Prozent. Das teuerere Verfahren war mit 65 Prozent höherem Sterberisiko assoziiert, unabhängig von Tumorgrößen.

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Die Studienautoren erklärten das bessere Abschneiden offener Chirurgie mit höherer operativer Radikalität und damit geringerem Rezidivrisiko. Auch an Streuung von Tumorzellen durch Uterus-Manipulationen bei pelviskopischen Vorgehen sei zu denken.

Fazit: Bei unseren hohen Gesundheitskosten im EU-Vergleich ist Robotertechnik im OP kritisch zu bewerten versus erfolgreicher offener Chirurgie.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 80975 Ulm

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