ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996Uhren aus dem Schwarzwald: Von der Waaguhr zum Souvenir

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Uhren aus dem Schwarzwald: Von der Waaguhr zum Souvenir

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LNSLNS Auf rund 600 qm Ausstellungsfläche werden bis zum 14. April 1996 vom Badischen Landesmuseum im Schloß Bruchsal etwa 350 Schwarzwalduhren präsentiert. Die Schwarzwalduhr zeigt sich zuerst als hölzerne Waaguhr. Sie wurde nach dem Vorbild von Räderuhren von tüftelnden "Bauernhandwerkern" gefertigt.
Zur eigentlichen gewerbsmäßigen Herstellung der Uhren kommt es dann einige Jahrzehnte später. Arme Häusler steigen auf die Uhrenherstellung um; sie übernehmen als technische Neuerung das Kuhschwanzpendel. Es kommt zur Ausbildung eines Hausgewerbes, das schließlich zur ökonomischen und sozialen Grundlage für viele moderne Industriezweige werden sollte. Die Einführung der Ankerhemmung um 1770 geht einher mit dem Wandel von der hölzernen zur Metallräderuhr. Die Vorderseite der Uhr wandelt sich in ihre klassische Form, die Lackschilduhr. Farbgebung und Motive richten sich nach dem Geschmack und der Bilderwelt der Abnehmerländer. Mehrere tausend Uhrmacher im arbeitsteiligen Zusammenspiel mit einer Kette von Zulieferern schufen um 1800 schon über 100 000 Uhren pro Jahr.
In der heraufziehenden Krise des Hausgewerbes passen sich die Uhrenhersteller dem veränderten Stilempfinden des Biedermeier an. Es folgen Uhren, deren Werke in Kästen verborgen sind: Die Front der Uhr schmückt ein geprägtes oder bemaltes Blechschild mit einem kleinen Emaillezifferblatt.
Im Ausblick wird auf die Gründung der Großherzoglich-Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen eingegangen; sie ist Ausdruck des Bemühens um die Behauptung der Stellung auf dem Weltmarkt. Das industrielle Zeitalter der Schwarzwalduhr wird jetzt eingeläutet: In Anlehnung an die neugestalteten Bahnwärterhäuschen der Badischen Staatsbahnen entsteht die Bahnhäusleuhr als neuer Uhrentyp. Immer mehr wurde diese Uhr als Kuckucksuhr gebaut und hat sich seit etwa 1870 in kaum noch gewandelter Form zu der weltweit bekannten Schwarzwälder Kuckucksuhr entwickelt. Sie ist heute das folkloristische Souvenir für den Tourismus im Schwarzwald.
Diese erste wissenschaftliche Ausstellung zur Frühzeit der Schwarzwalduhr zeigt die "Highlights" des Badischen Landesmuseums sowie wichtige Objekte aus den Depots anderer Uhrenmuseen. Daneben bedient sich die Präsentation vor allem der Leihgaben aus Privatbesitz, die bisher nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden.
Im Info-Verlag Karlsruhe erscheint zum Preis von 39 DM ein Katalog mit 192 Farbabbildungen der ausgestellten Uhren. WZ
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