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LNSLNSLNSLNS Die im Artikel "Wie die Hygiene im Krankenhaus zum politischen Zankapfel wurde" (DÄ 21 vom 24. 5. 1996) getroffene Feststellung "tatsächlich wurden viele Infektionen nicht erfaßt" kann auch nicht durch die Ergebnisse der Validierung entkräftet werden. Gerade die Validierung erscheint zweifelhaft. Wie beispielsweise aus Tabelle drei bis vier der NIDEP-Studie (Nosokomiale Infektionen in Deutschland – Erfassung und Prävention, Band 56 der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, NomosVerlagsgesellschaft, Baden-Baden) hervorgeht, wurde der leicht feststellbare Faktor "Harndrainage" nur mit einer Sensitivität von 87,5 Prozent erfaßt.
Im Rahmen der NIDEP-Studie wurde die Anzahl der Patienten mit mindestens einer nosokomialen Infektion pro Anzahl der gesamten untersuchten Patienten und nicht die Anzahl der nosokomialen Infektionen pro Anzahl der untersuchten Patienten berechnet. Alleine diese Korrektur würde statt 3,46 Prozent bereits 3,62 Prozent nosokomiale Infektionen ergeben (Seite 92).
Einige nosokomiale Infektionen werden nach den CDC-Kriterien nur bei Vorliegen eines mikrobiologischen Befundes bewertet. Somit ist kritisch anzumerken, daß im Rahmen der NIDEP-Studie nur bei 56,5 Prozent aller nosokomialen Infektionen eine mikrobiologische Untersuchung erfolgte. Auf Unverständnis stößt die Feststellung der Autoren auf Seite 96, wonach mikrobiologische Befunde, die am Erfassungstag ("Prävalenztag") noch nicht vorlagen, nachträglich nicht für die Beurteilung berücksichtigt wurden. Die Autoren führen selbst aus: "Bei Harnwegsinfektionen und Sepsis-Fällen kann dadurch die Häufigkeit der Identifikation derartiger Infektionen beträchtlich erhöht werden beziehungsweise umgekehrt wegen Nichtvorliegens des mikrobiologischen Befundes erniedrigt werden."
¿ Bei der NIDEP-Studie handelt es sich nicht um eine prospektive Erfassung, vielmehr schreiben die Autoren selbst auf Seite 17: "Nosokomiale Infektionen wurden am Erfassungstag selbst (Tag null) und retrospektiv an den sechs vorangegangen Tagen (Tage minus eins bis minus sechs) dokumentiert." Es wurden also nicht nur die Risikofaktoren sechs Tage retrospektiv, wie in der Stellung-nahme behauptet, analysiert. Dadurch waren die Erfasser aber auf die Angaben in den Patientenunterlagen oder Aussagen der Ärzte in den Krankenhäusern für die Tage minus eins bis minus sechs angewiesen. Insofern ist der Unterschied zum Beispiel zur DKGStudie nicht erkennbar, da auch in der NIDEP-Studie "retrospektiv nach Aktenlage" entschieden wurde, ob eine Infektion vorlag oder nicht.
À Die Qualifikation der Studienärzte läßt sich durch die Qualität der Erfassung charakterisieren. So erhob beispielsweise der Erfasser AK die geringsten Infektionsraten (siehe Abbildungen drei bis zehn). Daher ist den Autoren zuzustimmen, wenn sie auf Seite 120 äußern: "Der während der Studie offenbar gewordene deutliche Erfassereffekt hat erhebliche Konsequenzen."
Á In der NIDEP-Studie fehlen Angaben zum diagnostischen Vorgehen, die ohnedies fragwürdig wären, wenn retrospektiv aufgrund der "Aktenlage" die Tage minus eins bis minus sechs einbezogen wurden.
 Bezüglich der Auswahl der Krankenhäuser bestehen weiterhin Zweifel, da die Autoren auf Seite 22 ausführen, daß "gegen Ende der Studie weitere fünf Krankenhäuser in die Studie aufgenommen wurden". Wenn auch die Stratifizierung nach den Größenklassen erfolgte, bestätigen die Autoren auf Seite 86, daß die Prävalenz in Krankenhäusern der Maximalversorgung fast 50 Prozent höher ist.
à Die Anwendung der CDC-Kriterien zur Definition einer nosokomialen Infektion setzt voraus, daß eine umfassende mikrobiologische Diagnostik erfolgt und nicht – wie in der NIDEP-Studie geschehen – Befunde sogar nicht berücksichtigt werden, wenn sie am Erfassungstag noch nicht vorlagen.
Ä Aufgrund der aufgeführten Mängel, die alle zu einer niedrigeren Schätzung der Infektionsrate führen, ist verständlich, daß keine Vergleiche zu anderen internationalen Studien gezogen werden dürfen. Bezüglich des Vergleiches der Infektionsraten auf Intensivtherapiestationen erscheint ein weiterer Zweifel angebracht, zumal bei einer Rate an Beatmungspatienten von nur 27,6 Prozent nicht von spezifischen Intensivtherapiestationen ausgegangen werden kann. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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