ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2020Rabattverträge: Zunehmender Kostendruck
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Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind ein zunehmendes Problem in Apotheken und Arztpraxen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Marktkonzentration bzw. Marktverengung vor allem auf dem Generika-Pharma-Markt: Immer weniger Hersteller übernehmen die Produktion eines einzelnen Arzneimittels. Getrieben wird diese Entwicklung durch den zunehmenden Kostendruck. So hat der Gesetzgeber den Krankenkassen ermöglicht, Rabattverträge mit Pharmafirmen abzuschließen und so die Ausgaben für Arzneimittel zu senken.

Bei den Rabattverhandlungen gilt ein Einkaufsprinzip, das dem beim Discounter entspricht: Diejenige Pharmafirma erhält den Zuschlag, die das billigste Angebot macht. Die hiesigen Firmen beziehen die benötigten Wirkstoffe aus Billiglohnländern wie China oder Indien. Der globalisierte Markt bei Arzneimitteln hat dazu geführt, dass ein immer kleinerer Pool von Wirkstoffherstellern seine Produkte dorthin verkauft, wo am meisten dafür geboten wird. Dadurch sind Lieferengpässe vorprogrammiert. Exklusivverträge bei den Rabattverträgen können dieses Problem hierzulande noch verschärfen.

Ein weiteres Problem: Ein generisches Nachahmermedikament wird dann zugelassen, wenn es eine Bioäquivalenz aufweist, die zwischen 80 und 125 Prozent des Originalpräparates liegt, also ein Unterschied von bis zu 45 Prozent. Dies kann bei Mitteln gegen Epilepsie oder auch Blutverdünnungsarzneien wie Phenprocoumon kritisch sein. Hinzu kommt, dass vor allem bei älteren Menschen der Erhalt von Medikamentenpackungen, die sich von den bisher benutzten unterscheiden, zu Verunsicherungen bis zur Nichteinnahme führen kann. Der Einsatz von Austauschmedikamenten im Arzneimittelbereich ist medizinisch nicht unproblematisch, hinzu kommen die oben erwähnten ökonomischen Folgen.

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Wenn schon Rabattverträge, dann sollten mehrere Firmen zum Zuge kommen, und es sollten Sozialstandards und Umweltschutzkriterien in den Produktionsländern berücksichtigt werden. Die durch Rabattverträge eingesparten Kosten sollten allen gesetzlich Versicherten in Form von reduzierten Krankenkassenbeiträgen zugute kommen.

Dr. med. Robert Hector, 72226 Simmersfeld

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