ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2020Heilpraktiker: Verbreiteter Irrtum

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Heilpraktiker: Verbreiteter Irrtum

Dtsch Arztebl 2020; 117(4): A-152 / B-134 / C-130

Waldmann, Rudolf

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Um einem weit verbreiteten Irrtum zu begegnen, möchte ich einen einzigen Satz aufgreifen, der den begrüßenswerten Übertritt von Frau Dr. Susanne Doetz von der Heilpraktik hin zur approbierten Ärztin erwähnt. ... Dort findet sich der Satz: „Doetz studierte nach einer Heilpraktikerausbildung Humanmedizin an der Charité – Universitätsmedizin in Berlin.“ Dazu möchte ich feststellen, dass es eine Heilpraktikerausbildung, die diese Bezeichnung verdient, bis heute nicht gibt. Heilpraktiker üben keinen Beruf aus . ... Heilpraktiker arbeiten mittels einer Lizenz, die ihnen erteilt wird vom örtlichen Gesundheitsamt in Gestalt einer Heilpraktikererlaubnis, die – wie ein Angelschein – der auch eine Lizenz ist – entzogen werden kann, ohne Eingriff in das Berufsrecht. Auf diese Weise stellt sich die Heilpraktikertätigkeit allenfalls als Gewerbe dar, wobei der Gewerbeschein statt vom Gewerbeaufsichtsamt vom Gesundheitsamt in Form der Heilpraktikererlaubnis erteilt wird, wodurch dieses selber aufsichtspflichtig wird.

Wer sich als Inhaber eines Berufes anerkannt wissen möchte, muss bestimmte Kriterien vorweisen. Akademische Berufe weisen sich durch ein Diplom aus oder mit einem Staatsexamen. Handwerks- und Kaufmannsberufe qualifizieren sich – je nach dem – durch den Gesellenbrief, Meisterbrief oder entsprechendes bei den Kaufmannsberufen. Zur Erlangung dieser Dokumente muss in unserem vorbildlichen „Dualen System“ eine dreijährige Lehre durchlaufen werden – zur einen Hälfte in einem Meisterbetrieb oder eine Entsprechung bei den Kaufmannsberufen. Für die andere Hälfte ist der Besuch einer Berufsschule vorgeschrieben. Alle diese Institutionen sind durchgehend staatlich beaufsichtigt. Heilpraktiker jedoch können die Heilpraktikererlaubnis ohne jegliche staatliche Lenkung oder kontrollierte Ausbildung erlangen. Ein Besuch der im Land verstreut liegenden Heilpraktikerschulen ist nicht obligat, sodass Heilpraktiker im Wesentlichen als Autodidakten an ihr Ziel gelangen. Nach einer nach Dauer und Inhalt selbst gewählten Vorbereitungszeit steht die Überprüfung an, bei welcher kaum Themen medizinischen Inhaltes oder gar erlangte Fähigkeiten abgefragt werden, sondern hauptsächlich auf die zu beachtenden rechtlichen Aspekte Bezug genommen wird. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium: Im Gegensatz zu Handwerkern oder Kaufleuten dürfen Heilpraktiker ihren eigenen Nachwuchs nicht als Lehrlinge einstellen oder ausbilden, denn die verfügen nicht über vererbbare „berufsspezifische Gene“.

Dr. med. Rudolf Waldmann, 41239 Mönchengladbach

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Avatar #778771
B.Schmidt
am Montag, 27. Januar 2020, 11:10

Verbreiteter Irrtum unter Ärzten

Sehr geehrte Herr Waldmann,
hier können Sie sich informieren und müssen keine Halbwahrheiten verbreiten:
https://www.heilpraktiker-fakten.de/2019/09/11/welttag-der-patientensicherheit-heilpraktiker-ganz-sicher/
Außerdem sind Sie herzlich zum Heilpraktikertag am 21.und 22. Februar 2020 in Dortmund eingeladen. Hier können Sie mit Vertreten der Ärzte, Heilpraktiker, des Gesundheitamtes, Patienten,... über den Beruf und die Ausbildung diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen
B. Schmidt
Avatar #810898
Kneusels
am Samstag, 25. Januar 2020, 20:57

Irrtum

Sehr geehrter Herr Waldmann,
es ist durchaus möglich auch den Gesellenbrief zu erlangen, ohne je eine Berufsschule beteten zu haben. Ihr Vergleich ist daher nicht stimmig. Es ist sehr beunruhigend, mit welchen Unwahrheiten zurzeit Stimmung gegen alternative Methoden gemacht wird. Es gibt schwarze Schafe auf beiden Seiten. Aber es wird auch auf beiden Seiten viel für Menschen getan. Warum kann man nicht beide Systeme gelten lassen?
Mit freundlichen Grüßen
Tim Kneusels

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