ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Empfehlungen der Ständigen Impfkommission: Sicherer Schutz vor Diphtherie-Erkrankungen

POLITIK: Medizinreport

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission: Sicherer Schutz vor Diphtherie-Erkrankungen

Koch, A.; Thilo, Waltraud

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LNSLNS Durch gezielte Impfkampagnen ist es gelungen, einen weiteren Anstieg der Diphtherie-Erkrankungen in den Nachfolgestaaten der UdSSR zu verhindern. Dennoch erkrankten im vergangenen Jahr dort noch 50 000 Menschen. Weitere massive Anstrengungen sind nötig, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) weist daher nochmals darauf hin, daß auch in Deutschland die Populationsimmunität gegen Diphtherie erhebliche Lücken hat, und erinnert an ihre entsprechenden Empfehlungen: l Nicht geimpfte Personen oder Personen mit fehlendem Impfnachweis sollten zur Grundimmunisierung zwei Impfungen (in der Regel Td-Impfstoff) im Abstand von vier bis sechs Wochen und eine dritte Impfung sechs bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung erhalten.
l Liegt die letzte Diphtherie-Impfung länger als zehn Jahre zurück, empfiehlt die STIKO eine einmalige Auffrischimpfung (in der Regel Td-Impfstoff); die Grundimmunisierung muß nicht erneut begonnen werden, bei Unvollständigkeit wird sie lediglich komplettiert. Eine Kontrolle der Antikörperspiegel ist nicht erforderlich.
Diese Empfehlungen, die im Gegensatz zu den Verlautbarungen des Arbeitskreises Immunprophylaxe stehen (DÄ 24 vom 14. Juni 1996), berücksichtigen die weltweit gemachten Erfahrungen beim Aufbau einer wirksamen Populationsimmunität gegen Diphtherie und gehen mit den Empfehlungen der WHO konform.
Ein unlängst erschienener Bericht über eine Diphtherie-Erkrankung bei einer geimpften Frau hat Zweifel an der Wirksamkeit der Auffrischimpfung verursacht. Tatsächlich handelte es sich um einen Laborunfall, bei dem ein Bakterienkonzentrat eines besonders stark toxinbildenden Stamms von Corynebacterium diphtheriae, der für Kontrollzwecke im Laboratorium benutzt wird, per os aufgenommen wurde (siehe auch Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch-Instituts, Heft 14 und Heft 21/1996).
Es ist nicht bekannt, wahrscheinlich aber höchst unsicher, ob es überhaupt möglich ist, gegen eine derartig massive Infektion durch Impfung zu schützen. Corynebacterium diphtheriae wird beim natürlichen Infektionsweg mit dem Aerosol der Atemluft von Mensch zu Mensch übertragen; der Kontagionsindex ist mit zehn bis 20 Prozent sogar sehr niedrig. Unabhängig vom Impfstatus muß bei jeder massiven Exposition (wie im oben beschriebenen Fall) eine präventive antimikrobielle Therapie eingeleitet werden, wie zum Beispiel mit Depot-Penicillin oder Erythromycin.
Prof. Dr. Waltraud Thilo
Prof. Dr. Meinrad A. Koch
Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut
Reichpietschufer 74
10785 Berlin

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