ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2020Lungen­trans­plan­ta­tion: Maschinelle Perfusion entnommener Lungen macht mehr Organe transplantabel

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lungen­trans­plan­ta­tion: Maschinelle Perfusion entnommener Lungen macht mehr Organe transplantabel

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture alliance/Phanie
Foto: picture alliance/Phanie

Bei den Lungen von Multiorganspendern wird nur ein Teil als transplantabel eingestuft, in Deutschland sind es 40–50  % (1). Im Jahr 2018 starben 13,5 % der Patienten, die von deutschen Zentren zur Lungen­trans­plan­ta­tion angemeldet worden waren, auf der Warteliste (2).

Mit der normothermen Ex-vivo-Lungenperfusion (EVLP) ist es möglich, Spenderlungen, die zunächst als nicht transplantabel eingestuft werden, genauer zu evaluieren. Die Lungen werden nicht bei 4 °C konserviert, sondern beatmet und kontinuierlich mit einer blutähnlichen Flüssigkeit durchspült, die Körpertemperatur aufweist. An einem Transplantationszentrum in Toronto ist das Langzeitergebnis von 230 EVLP-konservierten Lungen mit dem von 706 standardkonservierten Lungen verglichen worden (3). Die Qualität der EVLP-Lungen war schlechter als die der standardkonservierten. So hatten die Spender der EVLP-Lungen vor Entnahme bei einer inspiratorischen Sauerstofffraktion von 1,0 einen geringeren Sauerstoffpartialdruck als die standardkonservierter Lungen (348 ± 108  mmHg vs. 422 ± 88  mmHg; p < 0,001) und häufiger einen anomalen Thoraxröntgenbefund (58,7 % vs. 49,4 %). Beim Überleben ohne chronische Transplantatdysfunktion gab es keine signifikanten Unterschiede: Es betrug 70 % vs. 72 % nach 3 Jahren, 56 % vs. 56 % nach 5 Jahren und 53 % vs. 36 % nach 9 Jahren (je EVLP vs. Standard). 9 Jahre postoperativ lebten 50 % der Empfänger von EVLP-Lungen und 44 % der von standardkonservierten Lungen.

Fazit: Die EVLP-Konservierung hatte mehr Lungen transplantabel gemacht, ohne das Transplantationsergebnis zu verschlechtern, so die Autoren. Die Organe erreichten den Empfänger in einem deutlich besseren Zustand als bei der bisher üblichen kalten Lagerung, so Prof. Dr. med. Gregor Warnecke, Leitender Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover, der EVLP-Methoden ebenfalls klinisch erprobt hat. Solche Geräte gäben den Ärzten bis zu 12 Stunden Zeit, das Spenderorgan zu transportieren und die Lungenfunktion zu beurteilen und zu verbessern. Die EVLP aber werde nicht von den Krankenkassen finanziert. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Koch A, Pizanis N, et al.: Ex-vivo-Lungenperfusion: Werkzeug zur optimierten Nutzung von Spenderorganen. Herz-,Thorax-,Gefäßchir 2018; 4:doi.org/10.1007/s00398–017–0175–9.
  2. Deutsche Stiftung Organstransplantation (DSO) 2019; DSO Jahresbericht 2018.
  3. Divithotawela C, Cypel M, et al.: Long-term outcomes of lung transplant with ex vivo lung perfusion. JAMA Surgery 2019; 154: 1143–50.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema