ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2000Antihypertensive Therapie senkt Sterblichkeit bei Diabetes

MEDIZIN: Referiert

Antihypertensive Therapie senkt Sterblichkeit bei Diabetes

Dtsch Arztebl 2000; 97(7): A-372 / B-297 / C-280

swc

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LNSLNS Bei Patienten mit Diabetes mellitus und erhöhter Eiweißausscheidung im Urin beträgt ohne antihypertensive Therapie die mittlere Überlebenszeit nur zirka fünf Jahre. Trotz der Bedeutung einer guten Blutdruckkontrolle erreichen in Westeuropa nur etwa elf Prozent der hypertonen Diabetiker die Blutdruckzielwerte. Durch eine intensivierte antihypertensive Therapie, bei der die Patienten selbst, nach Teilnahme an einem strukturierten Schulungsprogramm, die Blutdruckwerte messen und die Therapie entsprechend anpassen, lassen sich die Ergebnisse der Blutdruckkontrolle wesentlich verbessern. In einer prospektiven, kontrollierten Untersuchung werden nun die Zehn-Jahres-Ergebnisse der intensivierten antihypertensiven Therapie bei diabetischer Nephropathie beschrieben. Prospektiv wurden 91 konsekutive Patienten mit Typ 1 Diabetes, Hypertonie und manifester diabetischer Nephropathie verfolgt. 50 Prozent wurden einer intensivierten antihypertensiven Therapie mit Blutdruckselbstmessung und entsprechender Anpassung der Medikamente nach Teilnahme an einem speziellen Hypertoniebehandlungs- und -schulungsprogramm zugeordnet, um eine fortlaufende Blutdruckkontrolle mit Werten unter 140/90 mm Hg (vor Einnahme antihypertensiver Medikamente) zu erreichen. Selbstmessung des Blutdrucks im Stehen und eine entsprechende Modifikation der Medikamentendosis und der Einnahmezeitpunkte verhinderte zu niedrige Werte. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche antihypertensive Therapie. Die Endpunkte der Studie waren Tod, Eintritt der Dialysenotwendigkeit, Erblindung und Amputation. Innerhalb der zehnjährigen Beobachtungszeit starben unter herkömmlicher antihypertensiver Therapie 22 Patienten (48 Prozent), dreimal mehr als unter intensivierter Behandlung (16 Prozent); Dialysen (39 Prozent versus 24 Prozent) und Erblindungen (21 Prozent versus 11 Prozent) wurden halbiert und Amputationen (19 Prozent versus 7 Prozent) auf ein Drittel reduziert. Unabhängig von der Studiengruppe stieg mit der Höhe des Blutdrucks die Sterblichkeit, die Art des Antihypertensivums spielte dagegen keine Rolle. Fast alle Patienten wurden mit einer Kombination aus mehreren verschiedenen blutdrucksenkenden Substanzen behandelt. Die Studie belegt, dass die Mortalität unter der üblichen antihypertensiven Therapie bei diabetischer Nephropathie nach wie vor sehr hoch ist. Eine intensivierte Behandlung des Bluthochdrucks unter aktiver Mitwirkung geschulter Patienten senkt entscheidend die Sterblichkeit und bewahrt die Patienten vor Dialyse, Amputation und Erblindung. swc


Trocha AK, Schmidtke C, Didjurgeit U et al.: Intensified anti-hypertensive treatment in diabetic nephropathy: Mortality and morbidity results of a prospective controlled 10 years study. J Hypertens 1999; 17: 1497-1503.
Peter T. Sawicki, Klinik für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Postfach 10 10 07, 40001 Düsseldorf.

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