ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2020Gerichtsurteil gegen Ärzte: Klarstellung nötig
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Mein erster Instinkt bei dem Artikel war, dass dies eine für alle Seiten grausame Situation ist. Ein krankes und ein gesundes, gewünschtes Kind im Bauch zu tragen, bringt für die Eltern sicherlich viele schlaflose Nächte und eine sehr schwierige Beratungssituation für die betreuenden Gynäkologen/-innen. Dass sich hier für das sichere Austragen der gesunden Schwangerschaft entschieden wurde, finde ich nachvollziehbar und richtig. Leider hätte dies auch bedeutet, das behinderte Kind zu gebären, auch wenn man bei Einlingschwangerschaft eine Spätabtreibung hätte machen können – aber ja niemals müssen. Die Entscheidung der Eltern, dass das Kind nicht leben soll, kann keine Indikation sein. In dem Moment der Geburt hat das Kind eigene Rechte.

Daher wäre der korrekte Weg dann eine palliative Behandlung mit Unterlassung von lebensverlängernden Maßnahmen bei aussichtsloser Lage des behinderten Kindes gewesen. Diese ebenfalls schwierige Phase für die Familie wäre den Eltern aber zuzumuten gewesen. Gegebenenfalls hätte dies auch im Vorhinein mit einer Ethikkommission unter Einbeziehung der nach der Geburt verantwortlichen Kinderärzte und gerichtlich abgesichert werden können. Eine rechtliche Klarstellung, wann die Geburt eines jeden Kindes begonnen hat und bis wann eine Spätabtreibung möglich ist, ist nötig für alle weiteren Familien und die Ärzte/-innen bei dieser Konstellation.

Dr. med. Antje Petersen, 38108 Braunschweig

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