ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2020Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom: Von einer intensiven Lipidsenkung profitieren vor allem Patienten ab 75 Jahren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom: Von einer intensiven Lipidsenkung profitieren vor allem Patienten ab 75 Jahren

Dtsch Arztebl 2020; 117(5): A-210 / B-189 / C-185

Vetter, Christine

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Foto: MachineHeadz/iStock
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Vor allem Patienten jenseits des 75. Lebensjahrs profitieren nach einem akuten Koronarsyndrom von einer intensiven lipidsenkenden Therapie mit Simvastatin plus Ezetimib. Das ist das Ergebnis einer Sekundäranalyse der IMPROVE-IT-Studie nach einem 6-jährigen Follow-up.

In die doppelblind randomisierte Studie wurden 18 144 Patienten eingeschlossen, von denen 2 798 bei der Randomisierung ≥ 75 Jahre alt waren (15,4 %). Sie wurden mit Simvastatin alleine oder zusätzlich mit Ezetimib behandelt. Der primäre Endpunkt war kombiniert aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, instabiler Angina pectoris mit Hospitalisierung und koronarer Revaskularisierung innerhalb von 30 Tagen.

Das Ergebnis war altersabhängig, wobei generell unter der intensivierten lipidsenkenden Therapie weniger Patienten den primären Endpunkt erreichten als unter einer Simvastatin-Monotherapie. Die Kombination Simvastatin-Ezetimib reduzierte die Inzidenz für den primären Endpunkt in der Gruppe der Patienten unter 65 Jahren um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zur Simvastatin-Monotherapie (29,9 % vs. 30,8 %; Hazard Ratio [HR]: 0,97; 95-%-Konfidenzintervall [95-%KI] [0,09; 1,05]) und bei Patienten zwischen 65 und 74 Jahren um 0,8 Prozentpunkte (35,1 % vs. 35,9 %; HR: 0,96; [0,87; 1,06]).

Es profitierten vor allem Patienten ab 75 Jahren von der zusätzlichen Gabe von Ezetimib. Die Kombination bewirkte eine absolute Risikoreduktion von 8,7 % (38,9 % vs. 47,6 %; HR: 0,80; [0,70; 0,90]; p = 0,02). Der Therapievorteil wurde dabei nicht mit vermehrten Nebenwirkungen „erkauft“.

Fazit: „Die Studie belegt, dass eine intensivierte Lipidsenkung mit der Kombination eines Cholesterinsynthese- und eines Cholesterinresorptionshemmers das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten über 75 Jahren nach akutem Koronarsyndrom reduziert“, fasst Prof. Dr. med. Oliver Weingärtner vom Universitätsklinikum Jena die Studienergebnisse zusammen. „Insbesondere die geringe Number-needed-to-treat von 11 verdeutlicht den großen therapeutischen Nutzen der Kombinationstherapie“, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Fettstoffwechselstörungen und ihre Folgeerkrankungen.

„Vor allem die Tatsache, dass im Alter die intestinale Aufnahme von Cholesterin zunehmend bedeutend wird, erklärt, warum der Einsatz eines Cholesterinresorptionshemmers bei älteren Patienten besonders nützlich ist“, erläutert Weingärtner. „Vor dem Hintergrund der guten Verträglichkeit gibt es wenig Argumente gegen eine kombinierte Cholesterinsenkung.“ Christine Vetter

Bach RG, Cannon CP, Giugliano RP, et al.: Effect of simvastatin-ezetimibe compared with simvastatin monotherapy after acute coronary syndrome among patients 75 years or older. JAMA Cardiol 2019; 4: 846–54.

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