ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2020Aortenklappenstenosen: Gene könnten Verlauf der Aortenklappenstenose bei Männern und Frauen beeinflussen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Aortenklappenstenosen: Gene könnten Verlauf der Aortenklappenstenose bei Männern und Frauen beeinflussen

Eckert, Nadine

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Foto: yodiyim/stock.adobe.com
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Aortenklappenstenosen nehmen bei Männern üblicherweise einen ungünstigeren Verlauf als bei Frauen. Ein möglicher Grund hierfür könnte darin liegen, dass in den Kardiomyocyten männlicher Patienten bestimmte Gene aktiver sind als bei Frauen. Dies berichten Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Die Aortenklappenstenose ist ein gutes Beispiel dafür, dass kardiovaskuläre Erkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedlich verlaufen können: Zwar ruft die Verengung der Herzklappe bei beiden Geschlechtern eine Hypertrophie hervor, die die Herzfunktion beeinträchtigt. Bei Männern laufen dieses Wachstum und die damit verbundenen Umbauprozesse jedoch ungünstiger ab als bei Frauen.

In einer Pilotstudie analysierten die Forscher die Genexpression in Kardiomyozyten, die aus Herz-Biopsien von 17 weiblichen und 17 männlichen Patienten stammten, die eine künstliche Herzklappe erhalten hatten.

Neben strukturellen Abweichungen beim linksventrikulären enddiastolischen Durchmesser und der posterioren Wanddicke sowie einer niedrigeren Ejektionsfraktion bei den Männern, zeigte auch die Genexpressionsanalyse Unterschiede: Strukturgene, die an der Entstehung der kardialen Hypertrophie sowie dem kardialen Remodeling beteiligt sind, wurden bei Männern stärker exprimiert als bei Frauen. Und 2 Gene, die für Entzündungsfaktoren codieren (CCN2 and NFKB1) waren negativ mit der Ejektionsfraktion korreliert – aber nur bei Männern (p = 0,03 bzw. p = 0,02).

Fazit: „Bisher war wenig darüber bekannt, dass entzündliche Vorgänge für die Herzfunktion von Patienten mit Aortenklappenstenose bedeutend sein könnten“, kommentiert Seniorautor Prof. Dr. Georgios Kararigas. Patienten, bei denen die Entzündungsgene aktiver waren, hatten auch eine schlechtere Ejektionsfunktion. Dabei handelte es sich immer um Männer. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Umbauprozesse in weiblichen und männlichen Herzen über andere Mechanismen ablaufen.

„Unser bisheriges Wissen über die Mechanismen bei Herzkrankheiten basiert auf Studien, an denen überwiegend männliche Patienten teilgenommen haben. Wir fragen uns jetzt, inwieweit diese Ergebnisse auch für Frauen relevant sind, da in ihren Herzen scheinbar ganz andere Prozesse aktiv sind“, so Kararigas. Nadine Eckert

Gaignebet L, Kańdula MM, Lehmann D, et al.: Sex-specific human cardiomyocyte gene regulation in left ventricular pressure overload. Mayo Clin Proc 2020 Jan 13. doi: 10.1016/j.mayocp.2019.11.026.

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