ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2020Sprachsensibilität: Sprache ist ärztliches Werkzeug
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Die Forderung der Autorin Anja Thiel nach einem angemessenen sprachlichen Umgang mit Menschen mit Diabetes ist nachvollziehbar und sollte ganz allgemein gegenüber Patienten gelten. ... Der Arzt hat sich auch in seiner Sprache dem Patienten zuzuwenden, da kann oft der alte Ausdruck „zuckerkrank“ besser verstanden werden als eine Aufforderung zum „Diabetes-Management“. Und wie ist es bei Kranken, die der Feinheiten unserer Sprache nicht so mächtig sind, oder, umgekehrt, auch bei unseren Kollegen aus dem Ausland? Sprache ist in unserem Beruf zunächst ein Werkzeug, zusammen mit der Persönlichkeit der Ärztin und des Arztes eingesetzt, um dem Patienten eine für ihn wichtige Mitteilung zu machen. Selbstverständlich sollte an Verfeinerungen gearbeitet werden, aber die in letzter Konsequenz von der Autorin geforderte Sprachenpolizei könnte mehr Schaden als Nutzen anrichten. Wie es aussieht, hat die Autorin eifrig besonders englischsprachige Literatur gelesen und auch Fachkongresse besucht. Ob sie, außer mit sich selbst, mit weiteren Menschen mit Diabetes gesprochen hat, bleibt offen.

 Dr. med. Leo Voss, 48683 Ahaus

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