PHARMA

Kurz informiert

Dtsch Arztebl 2020; 117(5): A-214

nec; RLS; kut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Verdacht auf erhöhtes Risiko für Hautkrebs: Zulassung von Picato® ruht – Die Europäische Kommission hat vorläufig das Ruhen der Zulassung von Picato (Ingenolmebutat, LEO Pharma) angeordnet. Das zur Behandlung aktinischer Keratosen der Haut verwendete Arzneimittel ist ab sofort nicht mehr verkehrsfähig.

Es handelt sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme, solange der Ausschuss für Risikobewertung im Bereichen der Pharmakovigilanz der Europäische Arzneimittel-Agentur Daten zu Hautkrebs bei Patienten prüft, die Ingenolmebutat anwenden. Die Ergebnisse einer Studie weisen auf ein höheres Hautkrebsrisiko im behandelten Bereich nach Anwendung von Ingenolmebutat im Vergleich zu Imiquimod hin.

Anzeige

Ärzte sollen Ingenolmebutat nicht mehr verordnen und andere Behandlungsoptionen erwägen, während die Daten überprüft werden. Patienten sollten Ingenolmebutat derzeit nicht mehr anwenden und angewiesen werden, bei Hautveränderungen umgehend einen Arzt aufzusuchen. nec

Quelle: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Drug Safety Mail 2020–02.

Teriflunomid greift bei MS in veränderten Zellmetabolismus ein – Der Immunmodulator Teriflunomid (Aubagio®, Sanofi) wird zur Therapie der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt. Bekannt ist, dass er seine Wirkung in den Mitochondrien entfaltet, wo er das Enzym Dihdroorotat-Dehydrogenase (DHODH) hemmt und so die De-novo-Pyrimidinsynthese in proliferierenden Zellen verhindert.

Neu ist die Erkenntnis, dass der Wirkstoff in den T-Zell-Metabolismus eingreift. Es konnte eine selektive Hemmung aktivierter hochaffiner T-Zellen nachgewiesen werden. Unterdrückt wird vor allem die Proliferation proinflammatorischer T-Zellen und nur in geringem Umfang regulatorischer T-Zellen, deren prozentualer Anteil konsekutiv ansteigt. Teriflunomid greift demnach gezielt in den bei MS veränderten Zellmetabolismus ein, was die über 12 Jahre in Real-World-Daten nachgewiesene gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Wirkstoffs erklärt.

Lymphopenien fallen unter Teriflunomid eher milde aus und die Infektionsrate steigt nicht an. Auch die Impfantwort gegen inaktivierte Neo-Antigene sowie Recall-Antigene bleibt intakt. Es zeigt eine vergleichbare Wirksamkeit wie Dimethylfumarat in verschiedenen Real-World-Studien. Der jährliche Hirnvolumenverlust ist unter Teriflunomid statistisch signifikant geringer. kut

Quelle: Fachpresse-Talk „Wirksamkeit im Fokus: Aktuelle Daten aus klinischen Studien und Real Life – Die Highlights aus 2019 und ein Exkurs in das neue Jahr“, Düsseldorf, 19. Dezember 2019; Veranstalter: Sanofi Genzyme GmbH.

NASH: Rückbildung der Fibrose mit Obeticholsäure – Mit dem steigenden Anteil übergewichtiger Menschen wächst in westlichen Ländern die Prävalenz von nichtalkoholischen Fettlebererkrankungen (NAFLD). Die NAFLD kann unbehandelt zu einer nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH) führen.

Die nächste Stufe ist eine Fibrosierung und anschließend kann es zu einer Zirrhosebildung kommen. Eine fortgeschrittene Fibrose ist der wichtigste Parameter zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs, insbesondere langfristiger Ereignisse wie Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom, Lebertransplantation und Tod.

Diagnostiziert wird NASH mit- hilfe einer Biopsie. Die Therapie zielt primär auf eine Gewichtsreduktion. Spezifisch wirksame Substanzen stehen nicht zur Verfügung, einige befinden sich jedoch in der klinischen Prüfung. Einer der Ansätze besteht in der Aktivierung des nukleären Farnesoid-X-Rezeptors (FXR), von der gezeigt wurde, dass sie Fibrose, Entzündung, Zucker- und Fettstoffwechsel positiv beeinflussen kann.

Natürliche Liganden des FXR sind Gallensäuren, ein semisynthetischer ist die Obeticholsäure (OCA). OCA wird derzeit in der Phase-III-Studie REGENERATE bei Patienten mit NASH untersucht. In der Interimsanalyse nach 72 Wochen wurde der primäre Endpunkt erreicht, die Rückbildung der Fibrose um 1 Stadium ohne Verschlechterung der NASH. Die FDA hat den Zulassungsantrag für Obeticholsäure bei NASH angenommen und einen beschleunigten Prozess zugesichert. RLS

Quelle: Media Education Workshop „Nichtalkoholische Steatohepatitis von A bis Z verstehen: Von FXR-Aktivierung bis Zirrhose“, München, 4. Dezember 2019; Veranstalter: Intercept Pharmaceuticals.

COPD-Therapie mit dem Dosier-Aerosol Bevespi Aerosphere® Ab sofort steht für die bronchodilatatorische Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) das Dosier-Aerosol Bevespi Aerosphere (AstraZeneca) zur Verfügung. Die Fixkombination enthält das langwirksame Beta2-Sympathomimetikum (LABA) Formoterol und das langwirksame Anticholinergikum (LAMA) Glycopyrronium.

Die Aerosphere Delivery Technology im Dosier-Aerosol verwendet aerodynamische Phospholipidpartikel, die sich durch eine geringe Dichte, eine poröse gewellte Oberfläche und eine schaumförmige Nanostruktur auszeichnen. Diese natürlichen Trägerstoffe – Phospholipide sind Teil des körpereigenen Lungensurfactants – haften gut am Bronchialepithel und lösen sich in der Lunge vollständig auf. Im Dosier-Aerosol liegen die jeweiligen Wirkstoffkristalle gebunden an die Partikel vor: Durch Schütteln entsteht eine homogene Co-Suspension.

Die Galenik ermöglicht eine konstante Dosierung und eine hohe und effektive Deposition in der gesamten Lunge, ohne zusätzliche Hilfsstoffe wie Ethanol oder Lactose zu nutzen. Mit der Technologie wird dem Hersteller zufolge im Vergleich zu herkömmlichen Dosier-Aerosols eine erhöhte Lungendeposition in den großen und kleinen Atemwegen (38 % vs. 10–20 %) erreicht. nec

Quelle: Pressemitteilung von AstraZeneca vom 20. Januar 2020.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema