ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2020Randnotiz: Zweifelhafte Reaktionen

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Randnotiz: Zweifelhafte Reaktionen

Dtsch Arztebl 2020; 117(6): A-231 / B-207 / C-203

Maybaum, Thorsten

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Das neuartige Coronavirus mit dem Namen 2019-nCoV ist auch in Deutschland angekommen. Ein 33 Jahre alter Mann aus Bayern war der erste Infizierte. Er hatte sich bei einem Workshop seines Unternehmens bei einer chinesischen Arbeitskollegin angesteckt. Es handelte sich nicht nur um den ersten bestätigten Fall in Deutschland, sondern auch um die erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Europa. Mittlerweile hat das Virus die Welt im Griff. Die Welt­gesund­heits­organi­sation rief den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die Zahlen der Infizierten steigen in China rasant und immer mehr Länder melden bestätigte Fälle. Bei gesunden Menschen verlief die Erkrankung bisher meist harmlos. Menschen, die am Virus verstarben, waren zumeist immungeschwächt. Bislang heißt es, das Influenzavirus sei weitaus gefährlicher. Die Politik mahnt zur Besonnenheit, doch Fakenews in sozialen Netzwerken und die „normalen“ Medien verbreiten mit jeder Meldung über neue Verdachtsfälle, die sich häufen dürften, weil seit Kurzem eine Meldepflicht besteht, neue Angst. In Bayern sollen zum Beispiel Atemschutzmasken in einzelnen Apotheken kurz nach den ersten Meldungen über den Fall ausverkauft gewesen sein. Zu allem Überfluss schüren auch manche Krankenkassen Panik. „Das Virus kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits 100 Menschen gestorben sind“, schrieb zum Beispiel eine große Krankenkasse. Man schalte eine Hotline, an die sich „Kunden aller Krankenkassen“ wenden könnten. Reiner Informationszweck – oder ein Mittel, um mit Versicherten ins Gespräch zu kommen? Zweifelhaft.

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