ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2020Homöopathie: Ohne Nutzennachweis keine Erstattung auf Kassenkosten

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Homöopathie: Ohne Nutzennachweis keine Erstattung auf Kassenkosten

Maybaum, Thorsten

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Homöopathie ist seit Jahren ein Streitthema in Politik und Gesellschaft. Foto: chestra/stock.adobe.com
Homöopathie ist seit Jahren ein Streitthema in Politik und Gesellschaft. Foto: chestra/stock.adobe.com

Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich für ein Ende der Homöopathie als Satzungsleistung der Krankenkassen ausgesprochen. Das haben KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen und Dr. med. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der BÄK, in einer Dokumentation der ARD zur Homöopathie betont. „Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich die Homöopathie nicht erstattungsfähig sein kann“, sagte Gassen. Das gelte sowohl für verordnete Therapeutik als auch ärztliche Leistungen, die in dem Zusammenhang erbracht würden. Er mahnte, die Spielregeln müssten für alle gleich sein. „Wenn die Homöopathie ihren Nutzen tatsächlich im objektiven wissenschaftlichen Verfahren beweisen könnte, dann sollte man versuchen, sie in die Erstattung hineinzubekommen“, erklärte er. Solange das nicht der Fall sei – und das sei seit 150 Jahren so – dann habe sie in der Erstattungslandschaft nicht verloren. Gitter sprach sich dafür aus, die Zusatzbezeichnung Homöopathie abzuschaffen. Nur mit dieser können die Leistungen der Homöopathie abgerechnet werden. In der Dokumentation heißt es, für das Erstanamnesegespräch erhalte ein Arzt mit Zusatzbezeichnung Homöopathie 90 Euro. Das sei ungefähr zweieinhalmal so viel wie der Hausarzt für dieselbe Leistung erhalten würde, sagte Gitter. Sie macht eine befremdliche Schieflage aus und würde sich wünschen, dass das hausärztliche Gespräch besser vergütet wird. Wer Homöopathie wünsche, solle diese privat bezahlen, erklärte sie. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), kündigte an, sich des Themas anzunehmen. Es gehe um die Glaubwürdigkeit des Systems, sagte er. Die Homöopathie müsse ihre Evidenz nachweisen. Könne sie dies nicht, müsse es den Krankenkassen untersagt sein, Homöopathie zu finanzieren. may

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