ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2020Diabetes mellitus: SGLT2-Inhibitoren könnten Diabetespatienten vor Gicht schützen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes mellitus: SGLT2-Inhibitoren könnten Diabetespatienten vor Gicht schützen

Dtsch Arztebl 2020; 117(6): A-264 / B-234 / C-227

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance/imageBROKER
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Die Verordnung von SGLT2-Inhibitoren, die neben der Glukose- auch die Harnsäurekonzentration im Blut senken, könnte einer US-Analyse zufolge Menschen mit Diabetes vor einer Gichterkrankung schützen.

SGLT2-Inhibitoren hemmen den Rücktransport von Glukose und Natrium aus dem Primärharn ins Blut und haben sich als effektive Blutzuckersenker erwiesen. Auf welche Weise sie den Harnsäurespiegel senken, ist nicht genau bekannt. Tatsache ist aber, dass in randomisierten klinischen Studien zu mehreren SGLT2-Inhibitoren ein klinisch relevanter Abfall der Harnsäurekonzentration im Blut beobachtet wurde.

Da eine erhöhte Harnsäurekonzentration zur Gicht führen kann, könnten SGLT2-Inhibitoren im Prinzip vor der Erkrankung schützen. In den Therapiestudien wurden sie aber in der Regel nur über wenige Monate und bei begrenzten Teilnehmerzahlen eingesetzt, sodass ein günstiger Einfluss auf die Gichtwahrscheinlichkeit übersehen worden sein könnte.

Untersucht wurden die Versichertendaten von 295 907 US-Patienten, denen erstmals entweder ein SGLT2-Inhibitor oder ein GLP-1-Agonist verordnet wurde. Für GLP-1-Agonisten ist kein Einfluss auf den Harnsäurespiegel dokumentiert. In einer Propensity-Score-Analyse wurden nur Patienten verglichen, deren übrige Risikofaktoren für Gicht vergleichbar waren.

In der SGLT2-Inhibitoren-Gruppe betrug die Inzidenzrate 4,9 pro 1 000 Personenjahre. In der GLP-1-Agonisten-Gruppe lag sie bei 7,8 pro 1 000 Personenjahren.

Fazit: Die Behandlung mit einem SGLT2-Inhibitor war mit einer signifikanten Reduktion des Erkrankungsrisikos um 36 % assoziiert (HR 0,64 [95-%-KI 0,57–0,72]). Bei einer absoluten Differenz von 2,9 Erkrankungen auf 1 000 Personenjahre könnte dies ein klinisch relevanter Vorteil sein.

Wie immer in epidemiologischen Studien bleibt ein gewisser Unsicherheitsfaktor. Die Forscher mussten sich allein auf die Diagnose der Ärzte verlassen, einen genauen Einblick in die Laborwerte der Patienten hatten sie nicht. Sie konnten deshalb auch nicht untersuchen, wie sich die Behandlung auf die Harnsäure-werte von Patienten auswirkte, die bereits an einer Gicht erkrankt waren. Rüdiger Meyer

Fralick M, Chen SK, Patorno E, et al.: Assessing the Risk for Gout With Sodium–Glucose Cotransporter-2 Inhibitors in Patients With Type 2 Diabetes: A Population-Based Cohort Study. Ann Intern Med 2020 Jan 14; doi: 10.7326/ M19–2610.

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