ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2020Medikamentöse Therapie bei Typ-2-Diabetes: Insulinanalogon oder Humaninsulin: für kardiovaskuläre Morbidität kein Unterschied

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Medikamentöse Therapie bei Typ-2-Diabetes: Insulinanalogon oder Humaninsulin: für kardiovaskuläre Morbidität kein Unterschied

Dtsch Arztebl 2020; 117(6): A-262 / B-232 / C-225

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/Phanie
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Typ-2-Diabetes ist mit einer Übersterblichkeit assoziiert. In Deutschland wird die Zahl der Menschen, die infolge von Typ-2-Diabetes sterben, nach Angaben des Deutschen Diabetes-Zentrums Düsseldorf auf circa 140 000 pro Jahr geschätzt. Eine 2018 publizierte Studie ergab für Deutschland eine um den Faktor 3–4 erhöhte Sterblichkeit in der Altersgruppe zwischen 65 und 90 Jahren (1).

Schwere kardiovaskuläre Ereignisse sind die Hauptursachen für die Übersterblichkeit (zit. n. [2]). International wird daher die Frage diskutiert, ob Humaninsuline und Insulinanaloga sich in ihren Effekten auf die Gesamtsterblichkeit und auf die kardiovaskuläre Mortalität unterscheiden. In einer großen Kohortenstudie mit mehr als 120 000 Krankenversicherten, die wegen Typ-2-Diabetes medikamentös behandelt wurden, haben US-Forscher diese Frage untersucht (2).

In die Analyse wurden 127 600 Patienten zwischen 21 und 89 Jahren eingeschlossen, die wegen eines Typ-2-Diabetes eine Therapie mit Humaninsulinen (n = 108 672) oder mit Insulinanaloga (n = 18 928) begannen und kontinuierlich fortsetzten. Verglichen wurden die Gesamtmortalität, die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD), Herzinfarkte, schwere zerebrovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall und die Häufigkeit stationärer Behandlungen wegen Herzversagens. Ergebnisrelevante Patientencharakteristika wie Alter, Geschlecht, Komorbiditäten oder sozioökonomischer Status wurden berücksichtigt.

Das durchschnittliche Alter der Kohorte betrug 59,4 Jahre, der mediane Body Mass Index lag bei 32,3 kg/m2 und 53,8 % waren Männer. Insgesamt traten 5 464 Todesfälle auf. Dabei gab es im Verlauf von 30 Monaten keine signifikanten Unterschiede in der Gesamtsterblichkeit zwischen Insulinanaloga-Behandlung vs. der Therapie mit Humaninsulinen (Hazard Ratio [HR] für Versterben: 1,15; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,97; 1,34]; Risikodifferenz [RD]: 0,005). Auch bei der kardiovaskulären Mortalität gab es keine relevanten Unterschiede (HR: 1,26 [0,86; 1,66]; RD: 0,003), ebenso wenig bei den Herzinfarktraten (HR: 1,11 [0,77; 1,45], Schlaganfallraten (HR: 1,30 [0,81; 1,78] oder der Häufigkeit der stationären Behandlungen wegen CVD.

Fazit: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die Insuline erhalten, hat es keinen klinisch relevanten Effekt auf die Gesamtsterblichkeit und auf die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse, ob die Therapie mit Analoginsulinen erfolgt oder mit Humaninsulin. Wenn zwischen den Insulinarten zu entscheiden sei, sollten andere Kriterien als kardiovaskuläre Risiken berücksichtigt werden wie die glykämische Kontrolle, das Risiko für Hypoglykämien, Therapiekosten oder Handhabung eines Produktes für den Patienten wie der Ess-Spritz-Abstand, so die Autoren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Tönnies T, Hoyer A, Brinks R: Excess mortality for people diagnosed with type 2 diabetes in 2012 – Estimates based on claims data from 70 million germans. Nutr Metab Cardiovasc Dis 2018; 9: 887–91.
  2. Neugebauer R, Schroeder EB, Reynolds K, et al.: Comparison of mortality and major cardiovascular events among adults with type 2 diabetes using human vs analogue insulins. JAMA Network Open 2020; 3: e1918554. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.18554.

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