ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2020Pflege: Keine Schnellschusslösung
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... Das deutsche DRG-System, in seiner pedantischen Ordnungsliebe typisch deutsch, hat ... in den vergangenen Jahrzehnten zu einem massiven Kostendruck und der für die Krankenhäuser einfachsten Lösung, nämlich zu Personalabbau geführt, der nicht mehr aufzuholen ist. Ein internationaler Vergleich der Bettenzahl, Pflegenden, Ärzte und Verweildauern kann deswegen nur ein verzerrtes Bild der Realität zeigen. Die jetzt allerorten propagierte Schnellschusslösung, möglichst viele, vor allem kleine Krankenhäuser zu schließen, um Personal freizusetzen, wird maximal der Tropfen auf dem heißen Stein sein. ...

Viele Pflegekräfte, Ärzte und vor allem Patienten schätzen die Vertrautheit, den persönlichen Umgang, die Nähe zum Wohnort etc. und wählen kleine Krankenhäuser. Sie akzeptieren sogar mehr Arbeitsstunden und eine schlechtere Bezahlung als in größeren Versorgungseinheiten, denn sie kennen die enorme Arbeitsbelastung in den Großkliniken. Aus dem Artikel wird aber deutlich, dass die Autoren nur ein Überleben der „systemrelevanten“ Kliniken anstreben. Was soll man darunter verstehen? Nur Maximalversorger und Universitätskliniken haben ein Existenzrecht? Vielleicht liegt auch ein grundsätzlicher „Systemfehler“ vor? Gerade am Ende des Artikels wird auf Skandinavien verwiesen, wo es viele kleinere, effiziente Vorsorgungseinheiten gibt.

Die Schließungen werden auch dazu führen, dass wiederum ein von mir nicht zu beziffernder Teil der Pflegekräfte eher aus dem Beruf aussteigen wird, als in andere Häuser zu wechseln. ... Ich glaube auch nicht, dass mit der Akademisierung der Pflege es gelingen wird, diese Kräfte am Patientenbett zu halten. Die Erfahrung der Vergangenheit spricht dagegen. Und warum sollte eine Pflegekraft einen akademischen Weg gehen, um anschließend dieselbe Arbeit zu machen wie vorher oder ohne Hochschulabschluss?

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Um einer Übertherapie, auch und vor allem am Lebensende oder in einer anderen palliativen Lebenssituation, zu begegnen, muss ein Umdenken in der gesamten Bevölkerung statt finden. Als Intensiv- und Palliativmediziner erlebe ich es jeden Tag, dass Maximaltherapien eingefordert werden, obwohl sie medizinisch nicht sinnvoll sind.

Und noch ein weiterer Gedanke: Die Länder legen noch in ihren Landesbettenplänen fest, welche Krankenhäuser bedarfsgerecht sind und damit über das Krankenhausfinanzierungsgesetz gefördert werden dürfen, und gleichzeitig verhindert das DRG-System deren Überleben. Sind oder waren diese Häuser denn nicht bedarfsgerecht? Dann dürften sie niemals in den Plänen auftauchen.

Dr. med. Patrick Kern, 76726 Germersheim

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