ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Krankenkassen: BKK für Heilberufe jetzt genehmigt

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Krankenkassen: BKK für Heilberufe jetzt genehmigt

Maus, Josef

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LNSLNS Seit dem 1. Juli dieses Jahres gibt es eine neue Betriebskrankenkasse speziell für die Angehörigen der Heilberufe. Die Krankenkasse mit Hauptsitz in Düsseldorf und der offiziellen Bezeichnung "BKK für Heilberufe" tritt bundesweit auf und will in den nächsten fünf Jahren rund 100 000 Mitglieder für sich gewinnen. Damit würde sie zu den zehn größten Betriebskrankenkassen in Deutschland zählen.


Als die Absicht der BKK Nordstern bekannt wurde, sich als Betriebskrankenkasse für die Angehörigen der Heilberufe zu öffnen, reagierten die großen Verbände der gesetzlichen Krankenkassen ziemlich verschnupft. Der AOK-Bundesverband und die Ersatzkassenverbände warfen der "Nordstern" vor, eine gezielte Risikoselektion betreiben zu wollen und außerdem die Friedensgrenze zwischen der gesetzlichen und privaten Kran­ken­ver­siche­rung zu verletzen. Letzteres deshalb, weil die BKK Nordstern zum Colonia-Konzern gehört, der unter anderem als Anbieter von privatem Kran­ken­ver­siche­rungsschutz auftritt.


Bis Ende des Jahres 8 000 Mitglieder
Das Bundesversicherungsamt in Berlin teilte diese Bedenken offenbar nicht, denn es genehmigte die Öffnung der bisherigen "Nordstern" zur Betriebskrankenkasse für Heilberufe zum 1. Juli 1996. Für Hansjörg Schulten, Vorstand der neuen Betriebskrankenkasse, ist damit der Weg frei. Schulten will bereits Ende dieses Jahres rund 8 000 neue Mitglieder für die BKK gewonnen haben. Etwa 1 400 Versicherte zählen zu dem "Altbestand" der früheren "Nordstern".
Die BKK für Heilberufe findet eine Zielgruppe vor, die alles in allem knapp zwei Millionen potentielle Versicherte umfaßt. So hoch hinaus will Schulten freilich nicht. Sein erklärtes Ziel sind 100 000 Mitglieder in den nächsten fünf Jahren. In einem auf kontrolliertes Wachstum angelegten Stufenplan will die neue Betriebskrankenkasse zunächst die Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Ärztekammern und der Ärzte- und Apothekerbank bewerben. Alles in allem sind dies immerhin 12 000 potentielle Mitglieder. Hinzu kommen rund 16 000 angehende Arzthelferinnen, die noch in diesem Jahr ihre Ausbildung beginnen werden. Die Gesamtzahl der berufstätigen Arzthelferinnen wird auf 400 000 geschätzt. Hier will die BKK für Heilberufe allerdings erst in den kommenden beiden Jahren akquirieren. Es folgen, so Schulten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Apotheker und schließlich das Personal an den Krankenhäusern. Auch Ärzte seien der neuen Betriebskrankenkasse natürlich willkommen, betonte der BKK-Vorstand. Allerdings könnten diese nur aufgenommen werden, wenn sie nicht privat krankenversichert sind. Pro Jahr, so die Rechnung der neuen Betriebskrankenkasse, sollen 30 000 Mitglieder aufgenommen werden.
Schulten ist klar, daß mit der Öffnung seiner Kasse zugleich auch die Verpflichtung besteht, jeden Versicherungswilligen aus der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung aufzunehmen - auch Angehörige anderer Berufe. Er schätzt aber den tatsächlichen späteren Anteil der Nichtheilberufler auf etwa zehn Prozent.
Die Äußerung von Herbert Rebscher, dem Vorsitzenden der Ersatzkassenverbände, daß die neue BKK mit ihren günstigen Beitragssätzen beispielsweise für Sozial- und Arbeitsämter eine willkommene Gelegenheit zur Billigversicherung sei, womit "der Spuk dann ein Ende" habe, hält Schulten für "Drohgebärden". Tatsächlich startet die BKK für Heilberufe mit einem Beitragssatz von 11,9 Prozent. "Den wollen wir mindestens bis Ende 1997 halten", sagte Hansjörg Schulten gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Mehr als fünf Prozentpunkte davon entfallen übrigens auf den Risiko­struk­tur­aus­gleich - einen "Strafzoll", wie Schulten diesmal in Übereinstimmung mit anderen (als Einzahler betroffenen) Vertretern gesetzlicher Krankenkassen meint.
Im Wettbewerb mit den etablierten Kassen setzt die BKK für Heilberufe unter anderem auf Präventionsleistungen. Dies ist zwar nicht neu, dennoch glaubt der BKK-Vorstand an eine Chance zur Profilierung: "Wir streben eine enge Kooperation mit den ärztlichen Organisationen an und wollen gemeinsam medizinisch sinnvolle Präventionsangebote erarbeiten." Das Präventionsangebot der BKK für Heilberufe solle das Gesundheitsbewußtsein stärken, nicht jedoch einer fehlgesteuerten Werbung dienen. Josef Maus

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