ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2020Bürokratie: Qualitätsmanagement verzichtbar
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In diesem wichtigen Beitrag, in dem die zunehmende bürokratische Belastung im therapeutischen Berufsfeld thematisiert und – zu Recht – kritisiert wird, werden jedoch kaum Entlastungsmöglichkeiten aufgezeigt. Gerade in Zeiten, in denen durch die Telematik zunehmende Herausforderungen an Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeuten gestellt werden, wäre es dringend angeraten, andere Bereiche zu vereinfachen, ohne dass die Qualität der Arbeit darunter leidet. Eine Möglichkeit sehe ich darin, die Notwendigkeit beziehungsweise die Sinnhaftigkeit des Qualitätsmanagements (QM) zu überprüfen und es gegebenenfalls aus dem Anforderungskatalog zu streichen. 2004 hat der Gesetzgeber – interessanterweise auf Betreiben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung – die Einführung und Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements (§ 135 a SGB V) beschlossen. Dies geschah im Rahmen von Honorarverhandlungen, in denen nach dem Prinzip „Das Geld soll der Leistung folgen“ eine Vorleistung erbracht wurde, die im Bereich Psychotherapie jedoch nicht honoriert wurde. In diesem Gesetz ist auch festgeschrieben, dass die Einführung nur vorläufig, sozusagen auf Verdacht erfolgt. In einem vierjährigen Zeitplan sollte parallel eine Evaluierungsstudie den Nutzen unter Beweis stellen und erst danach sollte die gesetzliche Verpflichtung bindend werden. Mir ist keine entsprechende Studie bekannt, die die Wirksamkeit des QM in der Psychotherapiepraxis je nachgewiesen hätte. Ich selbst habe jahrelang das QM in der Praxis angewandt, habe auch ein eigenes QM-Programm für Psychotherapeuten entwickelt (q@bvvp) und kann den realen Nutzen beurteilen. Als einzig wirklich Nützliches darin kann ich das Notfallmanagement erkennen (beinhaltet nicht nur therapeutische Notfälle, sondern auch solche aufseiten der Therapeuten), was jedoch sicher auch anderweitig vermittelt werden kann, zum Beispiel im Rahmen der Einführung ins Kassenarztwesen.

Insofern halte ich es für wahrscheinlich, dass eine wirkliche gesetzliche Grundlage für das Qualitätsmanagement nicht existiert, und zudem halte ich es für die Qualität einer Praxis für verzichtbar.

Dr. med. Dieter Jakob, 69115 Heidelberg

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