ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2020Gesellschaft: Soziale Ungleichheit und psychische Gesundheit

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Gesellschaft: Soziale Ungleichheit und psychische Gesundheit

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Die soziale Schicht, in der eine Person aufwächst und lebt, hat maßgeblichen Einfluss auf ihre Gesundheit und Lebenserwartung. Beispielsweise leben Personen aus den obersten Gesellschaftsschichten in Deutschland einige Jahre länger und sind gesünder als solche aus den untersten Schichten. Soziale Benachteiligung entsteht zum Beispiel durch Armut, mangelnde finanzielle Ressourcen, Obdach- und Wohnungslosigkeit, geringe Erwerbsintensität und Erwerbslosigkeit. Menschen, die davon betroffen sind, leiden häufig an psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Daneben spielen laut dem Diplom-Gerontologen (M. A.) Dr. sc. hum. Andreas Hoell und dem Diplom-Soziologen Prof. (apl.) Dr. sc. hum. Hans-Joachim Salize vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim viele weitere Faktoren für den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und psychischer Gesundheit eine Rolle, zum Beispiel genetische Veranlagung, Erziehung, Sozialisation sowie politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorgänge und Maßnahmen. Zum Beispiel lassen sich regelmäßig Anstiege bei Depressionen und Suiziden infolge von Finanzkrisen oder hoher Arbeitslosigkeit beobachten. Auf Personenebene wirkt sich vor allem chronischer Stress gepaart mit subjektiven sozialen Vergleichen negativ auf die psychische Gesundheit aus, wobei die Stressadaption bei dauerhaften Belastungen durch Armut und Arbeitslosigkeit weniger gut gelingt.

Abhilfe können zum Beispiel staatliche Maßnahmen wie Transferleistungen und soziale Sicherungsmaßnahmen, die ein Auskommen unabhängig vom Arbeitsmarkt bieten, wirtschaftsfördernde Maßnahmen, die die Beschäftigungsrate verbessern, sowie Bildungsinitiativen schaffen, da sie positiv etwa auf depressive und Angstsymptome, Psychosen, Demenz und Suizidalität wirken. Auf Personenebene können Verhaltensinterventionen wie Stressbewältigung helfen, allerdings sollten sie laut den Autoren „mit Änderungen der Verhältnisse einhergehen, auch um Stigmatisierungen und Zuschreibungen der Selbstverschuldung zu vermeiden“. ms

Hoell A, Salize HJ: Soziale Ungleichheit und psychische Gesundheit. Nervenarzt 2019; 90 (11): 1187–200.

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