ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2020Pathologisches Grübeln: Spannende Therapieansätze

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Pathologisches Grübeln: Spannende Therapieansätze

Koch, Joachim

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Wenn Grübeln als repetitives negatives Nachdenken über ein Problem oder ein negatives Ereignis definiert wird, kann festgestellt werden, dass es keineswegs immer dysfunktional ist, sondern unter bestimmten Umständen kurzfristig wie langfristig hilfreich sein kann. Pathologisches Grübeln ist im Gegensatz zum normalen Grübeln dysfunktional, weil ein abstrakter Denk- oder Verarbeitungsstil vorliegt. Anhaltendes Grübeln ist als ein zentraler Vulnerabilitätsfaktor für die Entstehung, Verschlimmerung und Aufrechterhaltung depressiver Stimmungen und Störungen zu sehen.

Systematisch, gut verständlich und praxisorientiert behandeln die Autoren das Thema und beschäftigen sich nach einer Beschreibung mit wichtigen Störungstheorien und -modellen. Im dritten Kapitel geht es um Diagnostik und Indikation. Der Schwerpunkt des Buches ist die Behandlung des pathologischen Grübelns bei der Depression. Dabei stehen zwei Therapieverfahren im Mittelpunkt. Ausführlich wird auf das therapeutische Vorgehen bei der Ruminationsfokussierten Kognitiven Verhaltenstherapie (RFCBT) nach Watkins und der Metakognitiven Therapie (MCT) nach Wells eingegangen. Beide Verfahren haben sich in Untersuchungen als effektiv erwiesen. Obwohl beide Behandlungstechniken in der Tradition kognitiv-verhaltenstherapeutischer Verfahren stehen, gibt es spannende Unterschiede. In der MCT wird überhaupt nicht auf nicht metakognitive Inhalte eingegangen, in der RFCBT dagegen, die mit klassischen KVT-Strategien kombiniert eingesetzt wird, werden Denkinhalte disputiert, was die MCT wiederum als dysfunktional ansieht, weil es einem vom Therapeuten angeleiteten Grübeln oder Sich-Sorgen-Machen gleichkäme. Aus diesem Grund werden im Rahmen der MCT auch keine Alternativen zum Grübeln erarbeitet, denn es wird die Gefahr betont, dass jede Form analytischer Auseinandersetzung in Grübelprozessen mündet, während die RFCBT alternative Reaktionsweisen zum Grübeln erarbeitet und einübt.

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Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich heute nicht beurteilen, welche Behandlung zu bevorzugen ist, weil Vergleichsstudien beider Ansätze fehlen. Mit einem dreiseitigen Fallbeispiel wird das therapeutische Vorgehen im Rahmen der Metakognitiven Therapie illustriert. Joachim Koch

Tobias Teismann, Thomas Ehring: Pathologisches Grübeln. Hogrefe Verlag, Göttingen 2019, 105 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro

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