ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2020Tiefenpsychologische Gruppenpsychotherapie: Mut zum Einsatz in der ambulanten Praxis

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Tiefenpsychologische Gruppenpsychotherapie: Mut zum Einsatz in der ambulanten Praxis

Weimer, Joachim

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Bereits der Titel formuliert das Ziel dieses Readers: Mut zur Gruppenpsychotherapie zu machen. Und dies gelingt den Autorinnen und Autoren gut. Noch immer schlummert die Gruppentherapie in der ambulanten Praxis, ganz im Gegensatz zu ihrem Einsatz in Kliniken, einen Dornröschenschlaf. Sieht man die Erfolge und den rasant steigenden Bedarf an Psychotherapie, ist dies mehr als schade. Aber dem wollen die Autoren, allesamt Ausbildende und Ausgebildete der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie, Abhilfe schaffen. Sie ermuntern in diesem überaus praxisnahen und -tauglichen Buch dazu, tiefenpsychologisch orientierte Gruppentherapie ambulant zu nützen.

In fünf jeweils in sich geschlossenen Kapiteln, die dadurch unabhängig voneinander gelesen werden können – mit dem üblichen Problem gelegentlicher Redundanzen – werden die Einsatzmöglichkeiten bei verschiedenen Zielgruppen anschaulich dargestellt. Hier werden sich besonders auch Kinder- und Jugendlichentherapeuten angesprochen fühlen, da sowohl Gruppen mit jungen Mädchen wie verschiedene Altersgruppen von Jungen oder Adoleszenten und auch die Arbeit mit betroffenen Eltern in Gruppen dargestellt werden. Abgerundet wird das Ganze durch das Eingangs- und das Schlusskapitel. Erstes skizziert die Möglichkeiten einer auf der interaktionellen Methode nach dem Göttinger Modell basierenden Gruppentherapie, inklusive möglicher Varianten unter Einschluss allgemeiner Überlegungen zur Gruppendynamik und allgemeiner Wirkfaktoren. Letzteres plädiert für inzwischen ja mögliche Kombinationsbehandlungen aus Einzel- und Gruppentherapie und zeigt deren Erfolge auch statistisch anhand einer eigenen Untersuchung. Wohltuend für den Praktiker liefert dieser Reader neben ausreichend Theorie Einblick in verschiedene Gruppen, deren Klippen und Erfolgsmöglichkeiten. Ergänzt wird das Ganze durch praktische Handreichungen wie zum Beispiel Vorinformationen zur Gruppentherapie, Methodendarstellungen wie Atemübungen und schließlich eine große Anzahl von (genehmigten) Anträgen.

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Insgesamt spannend und informativ für alle, die einmal in die Praxis der Gruppentherapie schnuppern oder sich neue Anregungen holen wollen. Wobei man ganz am Rande auch sieht, wie sehr sich verschiedene Therapieverfahren immer mehr annähern, wenn beispielsweise Achtsamkeitsübungen integriert werden. Joachim Weimer

Sabine Trautmann-Voigt, Bernhard Voigt: Mut zur Gruppentherapie! Das Praxisbuch für gruppenaffine Psychotherapeuten. Leitfäden-Interventionstipps-Antragsbeispiele nach der neuen PT-Richtlinie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2019, 298 Seiten, gebunden, 40,00 Euro

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