ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Pneumologie & Allergologie 1/2020Coronavirus 2019-nCoV: Tipps zu Prävention und Management bei Verdacht

SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Coronavirus 2019-nCoV: Tipps zu Prävention und Management bei Verdacht

Dtsch Arztebl 2020; 117(7): [18]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2020.02.14.04

Meyer, Rüdiger; Grunert, Dustin

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Die deutsche und die europäische Infektionsbehörde (RKI und ECDC) haben Empfehlungen zum Umgang mit 2019-nCoV herausgegeben. Im Zentrum stehen die rasche Isolierung des Patienten und eine angemessene persönliche Schutzausrüstung des Personals.

Foto: https://www.scientificanimations.com, CDC, BY-SA (Attribution-ShareAlike 4.0 International)
Foto: https://www.scientificanimations.com, CDC, BY-SA (Attribution-ShareAlike 4.0 International)

Das klinische Erscheinungsbild einer 2019-nCoV-Infektion reicht von einer asymptomatischen Person, die eventuell bei einer Kontaktuntersuchung identifiziert wurde, bis zu einem Patienten mit schwerer Pneumonie, akutem Atemnotsyndrom, septischem Schock und Multiorganversagen. Wichtig sei die richtige Einschätzung beim Erstkontakt, heißt es im „Technical Report“ des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

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Das ECDC geht davon aus, dass 2019-nCoV wie andere Coronaviren in den meisten Fällen durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Auch die Berührung von kontaminierten Gegenständen („Fomite“) – etwa Bettzeug, Stethoskop oder chirurgische Instrumente – kämen als Überträger infrage. Eine aerogene Übertragung (über die Luft über weite Strecken) ist laut ECDC für Coronaviren nicht nachgewiesen – aber auch nicht auszuschließen, sodass diese Möglichkeit vorsichtshalber ins Kalkül gezogen werden sollte. Das ECDC empfiehlt passgenaue FFP2- oder FFP3-Atemmasken, Augenschutz (Schutzbrille oder Gesichtsschutz), langärmelige wasserdichte Schutzkleidung und Handschuhe.

Besondere Vorsicht geboten sei bei Maßnahmen, bei denen vermehrt mit dem Auftreten von Aerosolen („aerosol generating procedures“, AGS) zu rechnen ist. Dazu gehören Trachealintubation, Bronchialabsaugung, Bronchoskopie und Sputuminduktion. Diese Maßnahmen sollten in einem Raum mit negativem Luftdruck durchgeführt werden, rät das ECDC. Die Zahl der Personen im Raum sollte dann auf ein Minimum begrenzt werden. Alle Anwesenden sollten einen passgenauen FFP3-Atemschutz, Augenschutz, langärmelige undurchlässige Schutzkleidung und Handschuhe tragen.

Für die Patienten wird eine Isolierung in einem Einzelzimmer gefordert. Minimum sei ein Raum mit eigenem Bad, besser wäre ein Raum mit negativem Luftdruck, der für die Durchführung von AGS-Maßnahmen erforderlich ist. Das Personal sollte laut ECDC im Umgang mit Risikopatienten geschult sein und bei sich auf Fieber und respiratorische Symptome 14 Tage nach der letzten Exposition achten.

Die Dauer der Infektiosität von 2019-nCoV-Patienten ist laut ECDC nicht bekannt. Schwer erkrankte Patienten können das Virus jedoch über längere Zeit ausscheiden. Die Isolation sollte erst beendet werden, wenn die Patienten beschwerdefrei sind und mit den verfügbaren Tests keine Viren mehr bei ihnen nachweisbar sind.

Wie bereiten sich deutsche Kliniken vor? Krankenhäuser sind durch Einhaltung von Hygiene- und Isolationsvorschriften bei Patienten mit nCoV-Infektionen gut vorbereitet. Zudem sollten alle Kliniken grundsätzlich bereits im Zuge der saisonalen Influenza vorbereitet sein und genügend Hygiene- und Isolationsmaßnahmen sowie Bettenkapazität zur Verfügung stellen können. Diesbezüglich wird auf die Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut verwiesen (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Tabelle_Infpraev_Pflege.html).

Darüber hinaus besteht in Deutschland ein Netzwerk von Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB). Diese Zentren unterstützen das Management und die Versorgung von Patienten, die an nCoV-Infektionen erkranken (www.rki.de/stakob).

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen? Eine spezifische Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung. Für andere Coronaviren (MERS-CoV oder SARS-CoV) liegen Wirksamkeitsdaten aus präklinischen Studien vor, manche Substanzen werden im Rahmen von Studien untersucht. Sehr wirkungsvoll ist jedoch eine supportive Behandlung der Infektion entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes, die sämtliche bekannten unterstützenden Maßnahmen umfasst (z. B. Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes, ggf. Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Alternativ-/Begleitinfektionen, engmaschiges Monitoring, ggf. unterstützende nichtinvasive/invasive Beatmung). Natürlich umfasst dies auch die Behandlung relevanter Grunderkrankungen.

Welche Hygienemaßnahmen sollten in medizinischen Einrichtungen bei Patienten mit unspezifischen akuten respiratorischen Infektionen getroffen werden? Bei Erregern von akuten respiratorischen Infektionen – wie Influenzaviren oder RSV – sind zusätzlich zur bekannten Basishygiene weitere Maßnahmen erforderlich, um eine Übertragung durch Tröpfchen zu unterbinden. Diese beinhalten gemäß KRINKO-Empfehlung:

  • Unterbringung in einem Einzelzimmer möglichst mit eigener Nasszelle, gegebenenfalls Kohortenisolierung.
  • Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung, bestehend aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und direkt anliegendem mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz sowie gegebenenfalls einer Schutzbrille, beim Betreten des Patientenzimmers.
  • Bei Tätigkeiten, die direkt am Patienten oder in dessen Nähe ausgeführt werden, sollte der Patient ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen, insbesondere wenn die Beschäftigten dabei Hustenstößen der Patienten ausgesetzt sein können.
  • Wenn der Patient keinen Mund-Nasen-Schutz anlegen kann oder möchte, empfiehlt sich zum Schutz des Personals bei patientennahen Tätigkeiten das Tragen einer FFP2-Maske.

Welche Mittel eignen sich zur Desinfektion? Zur chemischen Desinfektion sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit und mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ (wirksam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ anzuwenden.

Informationen zur Desinfektion bei Viren sind in einer Stellungnahme des Arbeitskreises Viruzidie beim RKI enthalten. Geeignete Mittel enthalten die Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (RKI-Liste) und die Desinfektionsmittelliste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH-Liste).

Wann sollte der Arzt feststellen, dass der Verdacht auf eine Erkrankung besteht? Das RKI hat eine Falldefinition und ein Flussschema erstellt, die eine Hilfestellung für die Bestimmung derjenigen Patienten geben, bei denen eine Laboruntersuchung auf das neuartige Coronavirus durchgeführt werden sollte. Das sind zum einen Personen mit respiratorischen Symptomen, die Kontakt mit einem bestätigten Fall mit dem neuartigen Coronavirus hatten. Und zum anderen handelt es sich um Personen mit einem akuten respiratorischen Syndrom, bei denen der Verdacht besteht, dass die unteren Atemwege betroffen sind (z. B. Pneumonie oder akutes Atemnotsyndrom), und die sich zuvor in einem Risikogebiet (z. B. in Wuhan, China) aufgehalten haben. Eine Liste der Risikogebiete ist auf der Website www.rki.de/ncov abrufbar.

Was müssen Ärzte bezüglich der Labordiagnostik beachten? Die Diagnostik sollte mittels einer Real-time-(RT-)PCR für nCoV abgeklärt werden. Wenn möglich sollten die Proben parallel aus den oberen und den unteren Atemwegen entnommen werden (bronchoalveoläre Lavage, Sputum, Trachealsekret oder nasopharyngeale Abstriche). Genaue Hinweise finden sich unter www.rki.de/ncov.

Wann besteht eine Meldepflicht? Gemäß Infektionsschutzgesetz muss die Ärztin oder der Arzt, der bei einem Patienten den begründeten Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus hegt, dies dem Gesundheitsamt melden. Diese Meldepflicht gilt ebenfalls für das Labor, das das neuartige Coronavirus bei einem Menschen nachweist. Die Meldung muss unverzüglich erfolgen und dem Gesundheitsamt spätestens innerhalb von 24 Stunden vorliegen. Dabei müssen dem Gesundheitsamt auch Name, Adresse und Kontaktdaten der betroffenen Person gemeldet werden, damit es die Person kontaktieren und die notwendigen Maßnahmen (z. B. Ermittlung weiterer Kontaktpersonen) einleiten kann.

DOI: 10.3238/PersPneumo.2020.02.14.04

Rüdiger Meyer

Dustin Grunert

Stets aktualisierte Informationen über das neuartige Coronavirus sind unter www.rki.de/ncov abrufbar.

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