ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Unentdeckte nächtliche epileptische Anfälle
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Die Autoren weisen darauf hin, dass Epilepsien bei Schlafapnoe medikamentös schwer kontrollierbar sind und dass nokturnale Epilepsien als Differenzialdiagnose schlafassoziierter Bewegungsstörungen infrage kommen (1). Es sollte jedoch deutlicher herausgestellt werden, dass Tagesmüdigkeit und kognitive Beeinträchtigungen am Tag mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen primär auf eine Epilepsie hindeuten können, die bisher noch gar nicht diagnostiziert wurde, weil sie sich durch nokturnale Anfälle manifestiert. Deshalb sollte insbesondere bei jüngeren Menschen explizit eine Epilepsiediagnostik mit Bildgebung und EEG erfolgen.

Aus eigener Erfahrung möchte ich von einer 22-jährigen Patientin berichten, die gelegentlich in einem „durchwühlten“ Bett erwachte und über Tagesmüdigkeit klagte. Als eines Morgens ein Zungenbiss auftrat, wurde erstmals an eine Epilepsie gedacht. Ein EEG war normal. Bevor eine kraniale Magnetresonanztomografie ambulant durchgeführt werden konnte, starb sie an einem „sudden unexpected death in epilepsy“ (SUDEP) als Folge eines weiteren nächtlichen Anfalls. Die Autopsie ergab eine fokale kortikale Dysplasie (FCD).

Schlaf und epileptische Aktivität beeinflussen sich gegenseitig. Die Epilepsie kann Ursache der Schlafstörungen sein durch Störung der Schlafarchitektur über die postiktale Phase hinaus. Es resultieren Tagesmüdigkeit und Gedächtnisstörungen. Das Durchlaufen der Schlafstadien ist für die Konsolidierung der Gedächtnisinhalte wichtig (2). Andererseits verschlechtern Schlafstörungen die Häufigkeit epileptischer Anfälle. Zu den Epilepsien, die sich schlafgebunden manifestieren, gehören unter anderem nokturnale Frontallappenanfälle (3). Diese können zum Beispiel als Folge von Migrationsstörungen und FCD (wie bei der Patientin) mit hypermotorischen Anfällen auftreten. Auch genetische Epilepsien wie Aufwach-Grand mal treten schlafassoziiert auf.

Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit können somit primär auf eine Epilepsie als Ursache hindeuten und sind nicht nur eine sekundäre Differenzialdiagnose von Bewegungsstörungen im Schlaf.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0118a

Dr. med. Gunnar Riemer
Berlin
gunnar.riemer@googlemail.com

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Rémi J, Pollmächer T, Spiegelhalder K, Trenkwalder C, Young P: Sleep-related disorders in neurology and psychiatry. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 681–8 VOLLTEXT
2.
Bazil CW: Epilepsy and sleep disturbance. Epilepsy Behav 2003; 4 (Suppl 2): 39–45 CrossRef MEDLINE
3.
Manni R, Terzaghi M: Comorbidity between epilepsy and sleep disorders. Epilepsy Res 2010; 90: 171–7 CrossRef MEDLINE
1.Rémi J, Pollmächer T, Spiegelhalder K, Trenkwalder C, Young P: Sleep-related disorders in neurology and psychiatry. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 681–8 VOLLTEXT
2.Bazil CW: Epilepsy and sleep disturbance. Epilepsy Behav 2003; 4 (Suppl 2): 39–45 CrossRef MEDLINE
3.Manni R, Terzaghi M: Comorbidity between epilepsy and sleep disorders. Epilepsy Res 2010; 90: 171–7 CrossRef MEDLINE

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