ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Organspende: Zwei Seiten einer Medaille
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

… Es wird ein gigantischer Verwaltungs-, Zeit- und Kostenaufwand sein, 80 Millionen Bürger alle 10 Jahre zum Thema Organspende anzusprechen und ggf. zu beraten. Nur dann aber werden sich bei der Zuspruchslösung die Transplantationszahlen steigern lassen. Idealerweise sollte bei dieser Beratung auch das ebenso wichtige Thema Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung mit angesprochen werden.

Für mich sind Organspende und Organempfang zwei Seiten ein und derselben Medaille. Eine Zustimmung zur Organspende sollte mit dem Anspruch verknüpft werden, dass dieser Mensch, sollte er selber einmal erkranken und einer Transplantation bedürfen, auf der Warteliste bei ansonsten gleicher medizinischer Indikation den Menschen vorangestellt wird, die ihrerseits eine Organspende explizit abgelehnt hatten. Andererseits dürfen Menschen, die … es ablehnen, als Organspender zur Verfügung zu stehen, auf einer Transplantationsliste nicht bevorzugt werden gegenüber denen, die sich in gesunden Jahren als Spender registriert hatten. Das hat nichts mit Druck oder Erpressung zu tun, sondern entspricht unserer Vorstellung von Solidarität und Sozialverhalten. Wer sich krankenversichert, bekommt im Krankheitsfall seine Versorgung, wer in die Rente einzahlt, … seine entsprechende Rente. Solange es einen krassen Mangel an Spenderorganen gibt, sollten diese Organe v. a. an diejenigen vergeben werden, die das Transplantationssystem erst mit ihrer Spendenbereitschaft ermöglichen. Menschen, die eine Organspende ablehnen, sollten … erst dann eine Transplantation erhalten, wenn Spenderorgane im Übermaß zur Verfügung stehen, und kein Mensch, der sich als potenzieller Spender registriert hatte, mehr auf der Warteliste verstirbt. Allein in Deutschland warten derzeit fast 10 000 lebensbedrohlich Erkrankte auf eine Transplantation, jährlich sterben ca. 1 000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ bekommen. …

Eurotransplant vermittelt Transplantationen in acht europäischen Ländern. Hier sollten einheitliche Kriterien gelten. Derzeit erhält Deutschland mehr Spenderorgane aus dem Ausland als es abgibt und profitiert deshalb von der relativ höheren Spenderquote in den Nachbarländern. Bislang richtet sich der Platz auf der Warteliste v. a. nach Dringlichkeit, Alter und Prognose. Das Kriterium JA oder NEIN zur Organspende sollte ebenfalls Berücksichtigung finden.

Anzeige

Dr. med. Irene Gollreiter-Braunfels, 82041 Oberhaching

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige