ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Krankenhäuser: Eigentlich ein Segen
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Deutschland hat (derzeit noch) ein in fast der ganzen Welt stark beneidetes, angebotsinduziertes Gesundheitssystem und keine staatlich reglementierte und rationierte Zuteilungsmedizin. Zum Glück. In Köln kloppen sich jeweils mindestens zehn Kliniken um die endoprothetische und kardiologische Versorgung der Millionenstadt samt ihres riesigen Umraums mit nochmals mehreren Millionen Menschen. Na und? Wer schon jemals (alleine nur) mit coxarthrotischen Dauerschmerzen (wie in Großbritannien) mehrere Jahre – gerne aufgelockert durch ein paar vital kompromittierende NSAR-Magenblutungen – auf eine neue Hüfte warten musste (was bei geplanter und gewollter Reduktion von Häusern und Betten unweigerlich auf uns zukommt) …, der sehnt sich samt und sonders nach Deutschland und der deutschen Vollversorgung (zurück).

Was wollen wir wirklich? Wollen wir nach dem aktuell regierungspolitisch ratifizierten Kohle- und Karren-Bashing jetzt auch noch das vielleicht wichtigste Agens unseres … persönlichen Wohlstandsluxus gegen die sozialistische Abschaffungswand fahren, weil das alles so unglaublich logisch klingt, dass uns angeblich die Gesundheitskosten um die Ohren fliegen? Wofür, wenn nicht für unsere Gesundheit, wollen wir das Geld denn im Zweifelsfalle ausgeben?

Natürlich „braucht“ nicht jeder einen Stent, der einen eingepflanzt bekommt. Aber mit Stent tut halt die Brust beim Treppensteigen nicht mehr so weh. Und mit TEP die Hüfte nicht mehr. Auch wenn man dadurch nicht später stirbt, sondern lediglich nur deutlich mehr Lebensqualität gewinnt. Und ohne Gerinnsel im Kopf (weil einem ein jahrelang ausgebildeter und dadurch eben nicht ganz billiger Neuroradiologe den doofen Thrombus mit einem schicken Drähtchen kunstvoll aus dem Caput coilt, anstatt nur eine läppische Lyse zu machen), lässt sich die Teetasse auch weiterhin mit zwei Händen halten, statt mit nur einer (weil der andere Arm für immer gelähmt ist) und man kann weiterhin Porzellangeschirr benutzen, anstatt sich nach achtmal frustranem Klingeln im Pflegeheim eine Schnabeltasse mit kaltem Kamillentee von der überforderten Nachtschwester bringen zu lassen.

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Je älter wir werden, desto mehr Krankheiten kriegen wir (wahrscheinlich) auch. Das ist der Preis des Älterwerdens des modernen Menschen über seine reproduktive Phase hinaus. Wir sollten es als Segen sehen, dass wir hier bei uns in Deutschland noch alles an Medizin bekommen können, was dem Stand der Wissenschaft und Technik entspricht.

Dr. med. Michael Feld, 50226 Frechen-Königsdorf

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