ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Randnotiz: Das Virus nachspielen
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Bei großen Epidemien, wie dem aktuellen Coronavirus, schießen die Downloads von „Plague Inc“ jedes Mal in die Höhe. In dem Strategie-Videospiel versuchen Spieler als Pathogen die Menschheit zu infizieren, um sie schlussendlich durch eine geschickte Symptomkombination auszulöschen. Ob als Bakterium, Virus, Pilz, Parasit, Prion, Nanovirus oder Biowaffe: Um erfolgreich zu sein, benötigt es Mutationen. Mit DNS-Punkten werden Verbreitungswege, Resistenzen und Symptome entwickelt, die das Verhalten des Pathogens beeinflussen. Eine Weltkarte simuliert Flug- und Schifffahrtsrouten, fiktive globale Nachrichten laufen in einem Banner am Bildschirmrand, während sich das Pathogen weiter ausbreitet. Wächst die Bedrohung für die Weltbevölkerung, so werden Flughäfen geschlossen oder Quarantänezonen eingerichtet. Die Suche nach einem Heilmittel beginnt, sobald Symptome aufgefallen sind. Gespielt wird gegen die internationale Forschung, deren Finanzierung mit steigender Mortalität des Pathogens erhöht wird. Nun sollten vom Spieler Gegenmaßnahmen entwickelt werden, wie Antibiotikaresistenz, schlechte Anzüchtbarkeit und mehr. Die sonst so kleinen mikrobiologischen Mechanismen des Lebens bekommen hier eine globale Bühne. Der Perspektivwechsel bietet spielerisch Einblicke in die Epidemiologie und globale Krankheitsbekämpfung. Die Centers for Desease Control (CDC) aus den USA lobten das Spiel als Infotainment. Der Entwickler Ndemic Creations musste kürzlich mit Blick auf das Virus aus Wuhan daran erinnern, dass Plague Inc. nur ein Spiel sei und keine echte wissenschaftliche Simulation.

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