ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Medienbezogene Störungen: Psychiater veröffentlichen Positionspapier

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Medienbezogene Störungen: Psychiater veröffentlichen Positionspapier

Dtsch Arztebl 2020; 117(7): A-341

Bühring, Petra

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Foto: New Africa/stock.adobe.com
Foto: New Africa/stock.adobe.com

Der Gebrauch digitaler Medien ist aus dem Leben, auch von Kindern und Jugendlichen, nicht mehr wegzudenken. Sie bieten durch den Zugang zu Informationen und die Möglichkeit des breiten sozialen Austauschs Chancen. Gleichzeitig bergen sie aber auch Risiken in Bezug auf einen übermäßigen Gebrauch oder die Entstehung einer Sucht.Die Suchtkommission der deutschen kinder- und jugendpsychiatrischen Verbände und wissenschaftlichen Fachgesellschaft hat jetzt ein Positionspapier zu „medienbezogenen Störungen im Kindes- und Jugendalter“ veröffentlicht, um Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachbereiche auch in Bezug auf Diagnostik und Prävention zu unterstützen.

Bei etwa drei bis fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehen digitale Medien mit einem pathologischen Nutzungsverhalten einher, heißt es in dem Positionspapier. Für die Diagnose sei nicht die aufgewandte Zeit für den Mediengebrauch entscheidend, sondern dessen gedankliche Vereinnahmung, Reizbarkeit bei Nichtnutzung, Toleranzentwicklung, Kontrollverlust oder der Verlust an schulischen und sozialen Interessen.

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Besonders vulnerabel für pathologisches Nutzungsverhalten sind den Verbänden zufolge Kinder- und Jugendliche aus dysfunktionalen Familienstrukturen mit negativen Sozialisationserfahrungen und riskanten Nutzungsmustern in der Familie. Soziale, emotionale und kognitive Entwicklungsdefizite ebenso wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, Depressionen und Angststörungen sind weitere Risikofaktoren.

Liegt eine medienbezogene Störung vor, sei eine Kinder- und Jugendpsychiatrische/-Psychotherapeutische Beratung oder Behandlung notwendig. Zur Verbesserung der Behandlungskompetenz bedürfe es spezialisierter Fort- und Weiterbildungen. Die Verbände fordern auch den Gesetzgeber auf, präventive Maßnahmen weiter auszubauen. So sollten beispielsweise Entwickler und Anbieter von Online-Spielen verpflichtet werden, Möglichkeiten der elterlichen Kontrolle in Bezug auf die Nutzungszeit zu integrieren. Suchtfördernde Verstärkungsmuster in Spielen müssten gesetzlich eingeschränkt werden. Altersfreigaben sollten sich am Jugendschutz orientieren und stärker kontrolliert werden. Darüber hinaus sollte Kindern und Jugendlichen in der Schule unbedingt Medienkompetenz vermittelt werden. PB

http://daebl.de/XU55

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