ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2020Onkologie: Neues europäisch-lateinamerikanisches Forschungsprojekt zu Gallenblasenkrebs

HOCHSCHULEN

Onkologie: Neues europäisch-lateinamerikanisches Forschungsprojekt zu Gallenblasenkrebs

Dtsch Arztebl 2020; 117(7): A-340

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Krebserkrankungen der Gallenblase treten in Südamerika häufiger auf als in Europa. Das Projekt soll Risikofaktoren identifizieren. Foto: PIC4U/stock.adobe.com
Krebserkrankungen der Gallenblase treten in Südamerika häufiger auf als in Europa. Das Projekt soll Risikofaktoren identifizieren. Foto: PIC4U/stock.adobe.com

Ein neues europäisch-lateinamerikanisches Forschungskonsortium soll klären, warum Krebserkrankungen der Gallenblase in Südamerika deutlich häufiger auftreten als in Europa. Außerdem geht es darum, Risikomarker zu identifizieren sowie die Frühdiagnostik und Prävention zu verbessern.

Sprecher und Koordinator der 13 Partner aus Chile, Peru, Bolivien, Argentinien, Norwegen, England, Deutschland und Frankreich ist Dr. Justo Lorenzo Bermejo, Leiter der Arbeitsgruppe Statistische Genetik am Institut für Medizinische Biometrie und Informatik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Europäische Kommission fördert das Konsortium im Rahmen des „Horizon-2020“-Programms in den kommenden sechs Jahren mit insgesamt 4,68 Millionen Euro.

Anzeige

„Gallenblasenkrebs hat ein großes Präventionspotenzial, denn die Erkrankung entwickelt sich langsam innerhalb von 20 bis 30 Jahren und die Entfernung der Gallenblase ist eine relativ einfache vorbeugende Maßnahme“, erläuterte Bermejo. Allerdings fehle es an Risikomarkern, die zuverlässig anzeigten, bei wem ein solcher Eingriff sinnvoll und gerechtfertigt sei. Diese Unsicherheit in Kombination mit dem allgemein hohen Risiko für diesen Krebs in Südamerika führe in Chile dazu, dass bei Beschwerden und Gallensteinen schnell – und häufig unnötig – operiert werde, wobei das Gesundheitssystem die Kosten des Eingriffs trage.

Die meist indigene Bevölkerung in ländlichen Gebieten habe aber einen schlechten Zugang zu Diagnostik und Therapie. „Während in den Städten also zu viel operiert wird, sind die ländlichen Regionen unterversorgt“, hieß es aus dem Konsortium.

In den kommenden sechs Jahren wollen die internationalen Forschungsteams daher Risikofaktoren identifizieren und auf ihre Aussagekraft hin bewerten. Dabei werden sie nicht nur Daten zu Lebensstil und genetischer Herkunft von Patienten sammeln, sondern auch nach molekularen Markern im Blut fahnden.

Proben von 15 000 Patienten werden dazu in der bestehenden Heidelberger Liquid Biobank zusammengeführt. Am Ende soll ein auf mehreren Faktoren fußendes Risikomodell entstehen, das eine möglichst präzise Einschätzung des individuellen Erkrankungsrisikos zulässt. Auch in Deutschland tritt Gallenblasenkrebs auf: Jährlich sterben etwa 1 300 Menschen daran. hil

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema