ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Grenzwerte nach deutschem Modell gefordert: Europaweit Einheitskost für Baby und Kleinkind

THEMEN DER ZEIT: Berichte

Grenzwerte nach deutschem Modell gefordert: Europaweit Einheitskost für Baby und Kleinkind

Dtsch Arztebl 1996; 93(27): A-1823 / B-1471 / C-1347

EX

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Europaweit einheitliche, gesetzlich festgelegte Pestizidgrenzwerte für Baby- und Kleinkindkost nach dem Modell der deutschen Diätverordnung – das forderten Kinderärzte, Wissenschaftler und die im Diätverband zusammengeschlossenen Hersteller von Säuglingsnahrung auf einem Kolloquium zum Thema "Mehr Sicherheit durch diätetische Lebensmittel" Anfang Mai in Königswinter. Veranstalter des Kolloquiums war der Diätverband – Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für besondere Ernährungszwecke e.V.

Eine Obergrenze für sämtliche Pestizide
Nach Paragraph 14 der deutschen Diätverordnung darf Säuglings- und Kleinkindnahrung maximal 0,01 Milligramm an Pestiziden pro Kilogramm enthalten. Das sei nicht toxikologisch begründet, sondern habe ein "weitgehendes Freisein von Rückständen" zum Ziel, sagte Prof. Dr. Hildegard Przyrembel vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin. Für Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs gilt in Deutschland nach der sogenannten RückstandsHöchstmengen-Verordnung eine Liste verschiedener einzelner Pestizid-Höchstwerte. Die Diätverordnung setzt dagegen eine Obergrenze für alle Pestizide. Dieser "globale Höchstwert" liege zum Teil erheblich unter den einzelnen Grenzen der Rückstands-Höchstmengen-Verordnung, erklärte Prof. Dr. Friedrich Manz (Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund). Er sprach als Vertreter der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde. Die meisten Länder der Europäischen Union hätten keine derartige Verordnung; ein Lebensmittelhersteller habe deshalb bereits bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen die Bundesrepublik eingereicht. Sein Ziel sei, den Paragraphen 14 der deutschen Diätverordnung zum Handelshemmnis und damit als rechtlich unverbindlich erklären zu lassen.


Langlebige Schadstoffe in der Muttermilch
Der hohe deutsche Standard habe jedoch seine Gründe: Säuglinge seien gegenüber einzelnen Fremdstoffen besonders empfindlich, die Kenntnisse über die Toxikologie vieler Pestizide bei Säuglingen seien zum Teil sehr lückenhaft, und die Muttermilch enthalte immer noch eine große Menge langlebiger Pestizide. Die Ernährungskommission fordere deshalb einen einheitlichen europäischen Grenzwert nach deutschem Modell. Wie Prof. Dr. Karl Ernst von Mühlendahl (Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Osnabrück) berichtete, unterstützten europäische Pädiater auf einem Kongreß in Berlin die Forderung nach einem solchen Grenzwert. Anläßlich seines Kolloquiums forderte der Diätverband außerdem, die Einzelrichtlinie DiabetikerLebensmittel im Regelkatalog der EG-Diät-Rahmenrichtlinie beizubehalten. Geschehe dies nicht, würden viele Lebensmittel nicht mehr unmißverständlich gekennzeichnet; Diabetiker könnten solche Produkte dann nicht mehr kaufen. EX

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige