ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2020Thrombophlebitis migrans

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Thrombophlebitis migrans

Thrombophlebitis migrans

Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 125; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0125

Koushk-Jalali, Bijan; Tigges, Christian; Kreuter, Alexander

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Ein 90-jähriger Mann stellte sich mit akut aufgetretenen multiplen, schmerzhaften, tastbaren, flächigen, zum Teil strangförmigen Thrombophlebitiden an Ober- und Unterarmen vor. Blutentnahmen oder eine Anlage von periphervenösen Verweilkanülen waren innerhalb der letzten 14 Tage nicht erfolgt. Wenige Wochen zuvor war bei dem Patienten eine Haarzellleukämie (ein niedrigmalignes B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom) diagnostiziert und eine zytostatische Therapie mit Cladribin begonnen worden. Aufgrund der Anamnese und des charakteristischen klinischen Bildes wurde die Diagnose Thrombophlebitis migrans gestellt. Die Thrombophlebitis migrans, auch Trousseau-Syndrom genannt, ist ein fakultativ paraneoplastisches Syndrom und kann somit ein Anzeichen für Tumorerkrankungen darstellen. Ätiopathogenetisch liegt der Thrombophlebitis migrans wahrscheinlich eine intravasale Koagulation durch prokoagulatorische Faktoren der Tumorerkrankung zugrunde. Bei ungewöhnlichen Thrombophlebitiden ohne fassbare Ursache sollte daher immer auch an ein okkultes Tumorleiden gedacht werden. Therapeutisch können neben einer Kompressionstherapie und der Gabe von Antiphlogistika auch Blutgerinnungshemmer wie niedermolekulare Heparine verabreicht werden. In unserem Fall führte eine Behandlung mit Fondaparinux, einem selektiven Faktor-Xa-Hemmer, zu einer schnellen Abheilung aller Läsionen.

Dr. med. Bijan Koushk-Jalali, Dr. med. Christian Tigges, Prof. Dr. med. Alexander Kreuter,
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen, Universität Witten-Herdecke,
alexander.kreuter@helios-gesundheit.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Koushk-Jalali B, Tigges C, Kreuter A: Thrombophlebitis migrans. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 125. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0125

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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