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Wir danken den Autoren für ihre Rückmeldungen zu unserem Artikel (1). Sie haben in ihren Kommentaren noch einmal wichtige Punkte hervorgehoben.

Herr Dr. Trebin weist darauf hin, dass die Auswirkungen belastender Kindheitserlebnisse über psychische Folgen hinausgehen und auch das Risiko für somatische oder somatoforme Reaktionen erhöhen. In unserem Beitrag (1) lag der Fokus vor allem auf den psychosozialen Auswirkungen, insbesondere auf aggressivem Verhalten, das bisher noch deutlich weniger untersucht wurde. In anderen Artikeln haben wir uns mit dem Zusammenhang von Kindesmisshandlung und somatischen Problemen sowie Schmerz in einer ähnlichen Population beschäftigt (2). In diesen Arbeiten zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Anzahl erlebter Formen von Misshandlung in der Kindheit und Jugend und einer Vielzahl von somatischen Auswirkungen. So ist zum Beispiel das Risiko für einen Herzinfarkt um das 7,3-fache erhöht beim Vorliegen von vier oder mehr Formen von Misshandlung. Auch die Ergebnisse der Metaanalyse von Hughes und Kollegen (3) unterstreichen, den von Herrn Dr. Trebin angesproche Punkt, dass die Auswirkungen belastender Kindheitserlebnisse vielfältig und weitreichend sind und somit Anstrengungen für eine wirksame Prävention sowie Behandlung erfordern. Insofern sind wir besonders froh, dass wir in Ulm nach Begutachtung durch den Wissenschaftsrat den Bau eines Forschungszentrums für Multidimensionale Traumawissenschaften bewilligt bekommen haben. Dort werden ab 2024 Grundlagenwissenschaftler und Kliniker aus allen Bereichen, von der Unfallchirurgie bis zur Kinder- und Jugendpsychiatrie, Entstehungsbedingungen von Traumafolgen im körperlichen und psychischen Bereich untersuchen können.

Herr Dr. Lohbeck geht in seinem Kommentar darauf ein, dass neben den in unserem Artikel (1) aufgeführten Kategorien noch weitere Kindheitserlebnisse, wie etwa Mobbing von Bedeutung sein können. In unserer Studie haben wir die deutsche Version des Adverse Childhood Experiences Fragebogens (ACE-D) verwendet, um valide und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Wir stimmen Herrn Dr. Lohbeck zu, dass eine Reihe von Erlebnissen mitbedacht werden sollten, wie Mobbing oder der Tod einer nahestehenden Person. Weitere Arbeiten aus unseren Arbeitsgruppen unterstreichen aber auch die Bedeutung von Misshandlungen in Institutionen (4). Darüber hinaus weist Herr Dr. Lohbeck auf protektive Effekte von Familien hin. Diesem Punkt können wir nur zustimmen. Einer der wichtigsten Resilienzfaktoren ist soziale Unterstützung. Sie ist insbesondere dann wirksam, wenn mindestens eine stabile erwachsene Bezugsperson vorhanden ist (5).

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0134c

Für die Autoren

Dr. phil. Andreas Witt

Prof. Dr. med. Jörg M. Fegert

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-Psychotherapie

Universitätsklinikum Ulm

andreas.witt@uniklinik-ulm.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Witt A, Sachser C, Plener PL, Brähler E, Fegert JM: The prevalence and consequences of adverse childhood experiences in the German population. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 635–42 VOLLTEXT
2.
Witt A, Brown R, Plener PL, Brähler E, Fegert JM, Clemens V: Kindesmisshandlung und deren Langzeitfolgen–Analyse einer repräsentativen deutschen Stichprobe. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 2019; 67: 100–11 CrossRef
3.
Hughes K, Bellis MA, Hardcastle KA, et al.: The effect of multiple adverse childhood experiences on health: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health 2017; 2: e356–e66 17)30118-4">CrossRef
4.
Witt A, Rassenhofer M, Allroggen M, Brähler E, Plener PL, Fegert JM: The prevalence of sexual abuse in institutions: results from a representative population-based sample in Germany. Sex Abuse 2019; 31: 643–61 CrossRef MEDLINE
5.
Domhardt M, Münzer A, Fegert JM, Goldbeck L: Resilience in survivors of child sexual abuse: a systematic review of the literature. Trauma Violence Abuse 2015; 16: 476–93 CrossRef MEDLINE
1.Witt A, Sachser C, Plener PL, Brähler E, Fegert JM: The prevalence and consequences of adverse childhood experiences in the German population. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 635–42 VOLLTEXT
2.Witt A, Brown R, Plener PL, Brähler E, Fegert JM, Clemens V: Kindesmisshandlung und deren Langzeitfolgen–Analyse einer repräsentativen deutschen Stichprobe. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 2019; 67: 100–11 CrossRef
3.Hughes K, Bellis MA, Hardcastle KA, et al.: The effect of multiple adverse childhood experiences on health: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health 2017; 2: e356–e66 CrossRef
4.Witt A, Rassenhofer M, Allroggen M, Brähler E, Plener PL, Fegert JM: The prevalence of sexual abuse in institutions: results from a representative population-based sample in Germany. Sex Abuse 2019; 31: 643–61 CrossRef MEDLINE
5.Domhardt M, Münzer A, Fegert JM, Goldbeck L: Resilience in survivors of child sexual abuse: a systematic review of the literature. Trauma Violence Abuse 2015; 16: 476–93 CrossRef MEDLINE

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