ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2020Hautschutz: UV-Filter-Substanzen aus Sonnenmilch gelangen ins Blut

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hautschutz: UV-Filter-Substanzen aus Sonnenmilch gelangen ins Blut

Eckert, Nadine

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Foto: Anton Smirnov/iStock
Foto: Anton Smirnov/iStock

Chemische UV-Filter in Sonnenschutzmitteln gelangen über die Haut in relevanten Mengen ins Blut – und dies bereits bei einmaliger Anwendung, wie eine US-Studie zeigt. Einen Verzicht auf Sonnenmilch rechtfertige dies allerdings nicht, schreiben die Autoren, denn einen Beweis für eine Gesundheitsschädigung liefere die Studie nicht.

Dr. Murali K. Matta und seine Kollegen von der US-Arzneimittelbehörde FDA untersuchten die Absorption von 6 UV-Filtern (Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen, Homosalat, Octisalat, Octinoxat) aus 4 Sonnenschutzmitteln (Lotion und Spray) bei einmaliger und bei dauerhafter Anwendung. 48 Teilnehmer wurden auf eines der Mittel randomisiert. An Tag 1 trugen sie es nur 1-mal auf (2 mg/cm2 auf 75 % der Körperoberfläche), an den Tagen 2 bis 4 jeweils 4-mal.

Blutproben ergaben, dass alle 6 Filter ins Blut gelangten und die Blutspiegel einen von der FDA festgelegten Grenzwert überstiegen. Das kam bereits nach einmaliger Anwendung vor. Die Konzentration an UV-Filtern im Blut habe von Tag zu Tag zugenommen, was für eine Akkumulation im Blut spricht.

Die Halbwertszeit der UV-Filter im Blut rangierte zwischen 27 Stunden (Octisalat in Sprayform) und 157 Stunden (Octinoxat in Sprayform) und unterschied sich zwischen allen Filtern. Die Plasmakonzentrationen von Homosalat und Oxybenzon blieben sogar noch am Tag 21 über dem Grenzwert. Die Autoren vermuten, dass die Haut eine Art Depot ist, aus dem auch nach Beendigung der Anwendung weiter UV-Filter ins Blut gelangen.

Die Forscher betonen, dass Sonnenschutzmittel zur Vermeidung von Sonnenbrand und Hautkrebs unverzichtbar seien. Doch die Studie verdeutliche, wie wichtig es sei, die möglichen systemischen Wirkungen der verwendeten UV-Filtern genauer zu erforschen.

Fazit: In einem begleitenden Editorial betont auch der Onkologe Dr. Adewole S. Adamson vom Department of Internal Medicine der University of Texas in Austin: „Es ist entscheidend, anzuerkennen, dass diese Studie der FDA keinerlei Evidenz dafür liefert, dass chemische UV-Filter schädlich sind.“ Zwar deuteten Tierstudien und erste Daten an Menschen auf mögliche Gesundheitsrisiken hin, ergänzt er.

Doch ohne hinreichende Evidenz sei der Einsatz chemischer UV-Filter weiterhin angemessen. Dennoch fordert er die Hersteller auf, mit den von der FDA empfohlenen Sicherheitsstudien zu beginnen. Denn bis dahin sei ungewiss, welche Schäden die Absorption von UV-Filtern nach sich ziehen könnte. Nadine Eckert

Matta MK, Florian J, Zusterzeel R, et al.: Effect of Sunscreen Application on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2020; 323 (3): 256–67.

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