ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2020Interessenkonflikte: Von der Industrie gesponserte Studien spielen Risiken von Solarien oft herunter

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Interessenkonflikte: Von der Industrie gesponserte Studien spielen Risiken von Solarien oft herunter

Meyer, Rüdiger

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Foto: Yakobchuk Olena/stock.adobe.com
Foto: Yakobchuk Olena/stock.adobe.com

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Auch Forscher, die die Gesundheitsrisiken von Solarien in den Blick nehmen, neigen offenbar dazu, sich den Sponsoren gefällig zu zeigen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Autoren sich 14-mal häufiger positiv zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Solarien äußern, wenn sie von der Industrie gefördert wurden (1).

Dass finanzielle Zuwendungen, etwa von der Pharmaindustrie, das Urteil von sogenannten medizinischen Meinungsbildnern beeinflussen, ist vielfach belegt. Auch die Hersteller von Solarien haben ein wirtschaftliches Interesse daran, die gesundheitlichen Auswirkungen ihrer Produkte eher günstig als schädlich dargestellt zu sehen. Hier ist das Sponsoring allerdings (noch?) nicht so weit verbreitet wie in anderen Bereichen. Von den 691 wissenschaftlichen Publikationen, die ein Team um die Dermatologin Eleni Linos von der Stanford Universität in Palo Alto analysiert hat, wurden nur in 50 Fällen finanzielle Verbindungen zu Herstellern von Solarien offengelegt. Das schließt nicht aus, dass sie in dem einen oder anderen Fall verschwiegen wurden.

In 39 der 50 Publikationen (78 %) kamen Autoren mit Interessenkonflikt zu einer insgesamt günstigen Einschätzung der gesundheitlichen Folgen von Solarien. In den übrigen 620 Publikationen ohne Interessenkonflikt der Autoren fiel das Fazit nur in 27 Fällen (4,4 %) positiv aus. Linos ermittelt eine signifikante Risk Ratio von 14,3 (95-%-Konfidenzintervall 10,0 – 20,4). Als Vorteile lassen sich die medizinische UV-Therapie, die Bildung von Vitamin D in der Haut und eine Photoprotektion durch „Vorbräunen“ (Melanozytenstimulation) anführen.

Fazit: Verbraucher sind anfällig für gute Botschaften über Solarien, da ein gebräunter Teint als erstrebenswert gilt und als gesund und sportlich eingestuft wird. Dies erscheint umso unproblematischer, je weniger Risiken Experten dem Besuch von Solarien attestieren. Das spiegelt sich unter den Verbraucheraussagen wieder. Eine Analyse des Kurznachrichtendienstes Twitter ergab, dass nur 2,56 % der Tweets, die sich mit dem Thema Sonnenstudios befassten, ein mögliches Hautkrebsrisiko thematisierten (2). Rüdiger Meyer

  1. Adekunle L, et al.: Association between financial links to indoor tanning industry and conclusions of published studies on indoor tanning: systematic review. BMJ 2020;368:m7
  2. Wehner MR, et al.: Twitter: an opportunity for public health campaigns. Lancet 2014; 384 (9938):131–2.

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