ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2020Diabetiker: Nicht wieder Neologismen
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... Ich kann das Gehörte der Verfasserin auf Kongressen usw. nicht bestätigen. Alle mit Diabetes mellitus beschäftigten Fachgebiete haben eine hohe Empathie gegenüber Zuckerkranken (wenige Ausnahmen gibt es immer), es geht immer um das Allgemeine. Die Schulmedizin – an wen sollte man sich halten – ist die wissenschaftliche Grundlage unseres ärztlichen Tuns. Dazu gehören auch Normalwerte und/oder termini technici. Es ist Aufgabe des Arztes, Zielwerte anzustreben, die Patienten aufklärerisch in die Behandlung einzubinden; zu ermuntern (Bewegung) und zu leiten und Beeinflussbares zu mindern (Adipositas – in jedem Grad eine Krankheit). Die von der Autorin kritisierten Verbalismen können bleiben – sie sind nicht diskriminierend – auch wenn es modern ist, alles Sprachliche zu zerpflücken. Eine „kontrollierte Studie mit 31 Probanden“ kann statistisch nicht überzeugen.

Solange die tiefen Geheimnisse des Typ 2 Diabetes mellitus nicht geklärt sind (beim Typ 1 ist vieles verständlicher) müssen wir zur Kenntnis nehmen, das trotz gut eingestellter Stoffwechsellage schlimme Komplikationen entstehen können (Augen, Nerven, Gehirn etc.). Warum sollte denn den Ärzten (Fachgesellschaften, DDG, Kongressmitgliedern) ein tiefes Mitgefühl abgesprochen werden? Gerade die orale antidiabetische Therapie und/oder auch frühes Umsteigen auf Insulin ändert nichts an der Problematik individueller (personalisierter) BZ-Schwankungen. Der Diabetes ist eine chronische Krankheit – da gibt es keinen Zweifel, auch wenn durch „Lebensstiländerung“ sowie „bariatrische Operationen“ Hoffnung auf „Heilung“ bestehen kann. Der Zuckerpatient muss von allen (Familie, Arbeitgeber, Kollegen u. Ä.) ernst genommen werden, weil diese variablen Größen die Stoffwechsellage beeinflussen.

Es gibt in der Diabetesforschung noch viel zu tun, im Interesse aller. Das scheint mir wichtiger, als nun auch wieder Neologismen einzuführen. Trotzdem bedarf das Verhältnis Arzt und Kranker immer einer Überprüfung.

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Dr. med. Torsten Maurer, 01067 Dresden

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