ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei einem Säugling

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei einem Säugling

Waterhouse-Friderichsen syndrome in an infant

Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 147; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0147b

Hawi, Nael; Liodakis, Emmanouil; Sasse, Michael

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Petechiale Einblutungen am gesamten Integument
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Petechiale Einblutungen am gesamten Integument

Ein zehn Wochen alter Säugling wurde mit akutem Fieber bis 39,8 °C und plötzlich eingetretener Vigilanzminderung im Krankenhaus vorgestellt. Laut Eltern hatte das zuvor gesunde Kind seit einer Woche einen Infekt der oberen Atemwege. Nach Aufnahme verschlechterte sich der Allgemeinzustand rasant; es kam zu petechialen Einblutungen. Unverzüglich erfolgte eine intravenöse Volumengabe; bei Verdacht auf Waterhouse-Friderichsen-Syndrom wurde eine antibiotische Therapie mit Cephalosporinen (3. Generation) eingeleitet. Kreislauf- und respiratorische Insuffizienz erforderten Intubation und unverzügliche Verlegung in ein pädiatrisches Intensivzentrum, in dem der Säugling isoliert wurde. An den unteren Extremitäten entwickelte sich ein Kompartmentsyndrom, das eine beidseitige Dermatofasziotomie nötig machte. Nach progredientem Multiorganversagen verstarb das Kind trotz intensivmedizinischer Behandlung 24 Stunden nach Verlegung. Die Verdachtsdiagnose der Meningokokkensepsis, die typischerweise zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr auftritt, wurde durch Blutprobennachweis von Neisseria meningitidis bestätigt. Das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom ist die Komplikation einer akuten bakteriellen Meningitis. Sie geht mit einer schweren Verbrauchskoagulopathie und Nebennierenrindeninsuffizienz einher und endet trotz rechtzeitiger Therapie oft letal.

PD Dr. med. Nael Hawi, MBA, Prof. Dr. med. Emmanouil Liodakis, MBA
Unfallchirurgische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, hawi.nael@mh-hannover.de

Dr. med. Michael Sasse, Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin
der Medizinischen Hochschule Hannover

Interessenkonflikt: Dr. Sasse erhielt Honorare für Beratertätigkeiten, Erstattung von Kongressgebühren,
Reise- und Übernachtungskosten sowie Honorare für Fortbildungsveranstaltungen von Shire Deutschland. Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Hawi N, Liodakis E, Sasse M: Waterhouse-Friderichsen syndrome in an infant.
Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 147. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0147b

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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