ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020GOÄ-Ratgeber: Leistungslegenden richtig deuten (1)

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GOÄ-Ratgeber: Leistungslegenden richtig deuten (1)

Dtsch Arztebl 2020; 117(9): A-460 / B-400 / C-384

Pieritz, Anja

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Die Interpretation der Leistungslegenden der GOÄ scheint auch nach 20 Jahren oft noch schwierig zu sein.

Wenn eine Gebührenposition nur dann berechnungsfähig sein soll, wenn zwei (Teil-)Leistungen erbracht werden oder bestimmte Bedingungen bei der Leistungserbringung zwingend vorhanden sein müssen, werden diese in der Leistungslegende mit verschiedenen Bindewörtern versehen.

Genutzt werden dazu unter anderem. Bindewörter wie „und“ (zum Beispiel Nr. 785 GOÄ „Anlage und Überwachung einer Peritonealdialyse einschließlich der ersten Spülung“), „sowie“ (zum Beispiel Nr. 784 GOÄ „Erstanlegen einer externen Medikamentenpumpe – einschließlich Einstellung sowie Beratung und Schulung des Patienten ...“), „mit“ (zum Beispiel Nr. 1201 GOÄ „Subjektive Refraktionsbestimmung mit sphärisch-zylindrischen Gläsern“) und „einschließlich“ (Nr. 29 GOÄ „Gesundheitsuntersuchung zur Früherkennung ... einschließlich Erhebung des vollständigen Status [Ganzkörperstatus]…“).

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Oft werden diese Bindewörter selbst wieder eingeschränkt. Sehr häufig ist dies bei „einschließlich“. Die Formulierungen wie „gegebenenfalls einschließlich“ oder „auch (einschließlich)“ kennzeichnen (eine) fakultativ zu erbringende Leistung(en). Ein Beispiel ist die Nr. 680 GOÄ „Ösophagoskopie – gegebenenfalls einschließlich Probeexzision und/oder Probepunktion –“. Die Nr. 680 GOÄ ist unabhängig davon berechenbar, ob sie mit oder ohne Probeexzision/-punktion durchgeführt wurde. Weitere Beispiele sind die Nrn. 610, 679 bis 688, 1097, 1375, 1559–1560, 2407, 2959 GOÄ und viele weitere Nummern – vor allem im Abschnitt M (Labor) zum Beispiel 3900 bis 3910 GOÄ. Beispiele zu „auch einschließlich“ sind die Nrn. 317, 1114, 1120, 2132, 2263–2265, 2383, 2385 und 2590 GOÄ.

Die Bedeutung des Bindewortes „oder“ ist sprachlich eindeutig, die gebührenrechtlichen Auswirkungen aber abhängig von der Satzkonstellation und dem Ziel. Bei der Nr. 670 GOÄ „Einführung einer Magenverweilsonde zur enteralen Ernährung oder zur Druckentlastung“ ist die Auslegung eindeutig: Auch wenn die Magensonde sowohl zur enteralen Ernährung als auch (intermittierend) zur Druckentlastung dient, kann die Nr. 670 GOÄ nur einmal berechnet werden, weil sich die durch „oder“ verbundenen Indikationen auf ein Ziel beziehen.

Eine einmalige Berechnung ist auch dann anzunehmen, wenn es sich bei den mit „oder“ getrennten Satzteilen um alternative Möglichkeiten der Durchführung handelt. Ein Beispiel ist die Nr. 250 „Blutentnahme mittels Spritze, Kanüle oder Katheter aus der Vene“. Gleich auf welche Art und Weise das Blut entnommen wird, ist die Blutentnahme nach Nr. 250 GOÄ nur einmal berechnungsfähig. Weitere Beispiele sind die Nrn. 240, 1138–1139, 1540 und 3745–3747 GOÄ.

Anders sieht die Auswirkung des Bindewortes „oder“ zum Beispiel bei der Nr. 2193 GOÄ „Arthroskopische Operation mit Synovektomie an einem Knie- oder Hüftgelenk ...“ aus. Die Nr. 2193 GOÄ kann zweimal angesetzt werden, wenn eine Synovektomie an Knie und Hüfte vorgenommen wurde. Dr. med. Anja Pieritz

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