ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Ischämietests: Vieldiskutierte Technik
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Seit Jahren wird kritisiert, dass wir in Deutschland den unrühmlichen Titel „Weltmeister im Stenten von Koronargefäßen“ erworben haben, die damit erreichte kardiovaskuläre Mortalität enttäuschenderweise dennoch nur im weltweiten Mittelfeld liegt. Die Ursachen, warum in deutschen Herzkatheterlabors vermeintlich zu schnell ein Stent implantiert wird, ohne vorab adäquate Ischämietests durchzuführen, beschreibt der sehr informative Artikel. Die Bestimmung der funktionellen Relevanz von Koronarstenosen in naher Zukunft auch nicht invasiv bestimmen zu können, wäre zweifelsohne ein erheblicher Fortschritt.

In dem Artikel wird die Technik der quantitativen Flussratio (QFR), die aus invasiven Angiografiedaten erhoben wird, als nichtinvasiver Ansatz beschrieben, was jedoch nicht korrekt ist. Hierfür werden zwar kein Führungskatheter und kein Druckdraht benötigt, jedoch ist weiterhin eine Koronarangiografie mit allen damit verbundenen Risiken notwendig, was die vermeintlichen Vorteile dieses Verfahrens relativiert.

Eine vielversprechende nichtinvasive Methodik zur Beurteilung der hämodynamischen Relevanz einer Koronarstenose ist die auf der Computertomografie basierende Messung der fraktionellen Flussreserve (CT-FFR). Hierfür können konventionelle CT-Koronarangiografien verwendet und mittels numerischer Strömungsmechanik, die auch im Flugzeugbau verwendet wird, der koronare Fluss simuliert werden. Die CT-FFR ist eine viel diskutierte Technik, jedoch ist die Berechnung, bedingt durch den komplexen Rechenalgorithmus, noch zeit- und kostenaufwendig. Mehrere große Studien haben die gute Übereinstimmung mit der invasiven iFR/FFR nachweisen können und zur Zulassung durch die FDA geführt. Es fehlen jedoch noch große randomisierte, kontrollierten Studien, um dieser innovativen Technik den Eingang in den klinischen Alltag zu ermöglichen. Des Weiteren ist die Methode aktuell nur bei einem amerikanischen Anbieter nach Versendung der Datensätze in die USA kommerziell verfügbar.

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Dr. med. Stefan Baumann, Dr. med. Dirk Loßnitzer,
Prof. Dr. med. Ibrahim Akin, 68165 Mannheim

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