ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Früherkennung bei Raucheranamnese: Screening mit Computertomografie senkt Lungenkrebssterblichkeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Früherkennung bei Raucheranamnese: Screening mit Computertomografie senkt Lungenkrebssterblichkeit

Dtsch Arztebl 2020; 117(9): A-449 / B-393 / C-377

Meyer, Rüdiger

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Ein Screening mittels Computertomografie (CT) senkt die Zahl der tödlichen Lungenkrebserkrankungen bei starken Rauchern und Exrauchern um 25 %. Die Rate der falsch-positiven Befunde und der Überdiagnosen war geringer als erwartet. Für die NELSON-(„Nederlands-Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek“-)Studie nahmen 2004 bis 2012 in den Niederlanden und Belgien 13 195 Männer und 2 594 Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren teil. Einschlusskriterium war, dass sie über 25 Jahre wenigstens 15 Zigaretten oder über 30 Jahre wenigstens 10 Zigaretten am Tag geraucht hatten. Sie rauchten noch aktiv oder hatten vor weniger als 10 Jahren damit aufgehört.

Das Screening bestand aus 3 CT-Untersuchungen in Intervallen von 1, 2 und 2,5 Jahren. Die Entscheidung für eine Nachuntersuchung wurde vom Volumen des Knotens und bei der Folgeuntersuchung von der Verdopplungszeit des Volumens abhängig gemacht. Bei den Männern wurde nach 467 von 22 600 CT-Untersuchungen (2,1 %) eine eingehende pulmologische Abklärung erforderlich. Bei 203 Männern wurde dabei ein Lungenkrebs entdeckt (positiver Vorhersagewert 43,5 %; falsch-positive Rate 1,2 %). Die Zahl der Überdiagnosen betrug nach 11 Jahren 8,9 %.

Das Screening ließ die Sterblichkeit an Lungenkrebs deutlich sinken. Im Screening-Arm starben während der 10-jährigen Beobachtungszeit 156 Männer am Lungenkrebs, in der Kontrollgruppe 206. Das Screening hatte die Lungenkrebsmortalität um 24 % gesenkt (Rate Ratio [RR] 0,76; 95-%-Konfidenzintervall 0,61–0,94). Bei den Frauen fiel die Senkung stärker aus, war jedoch wegen der geringeren Teilnehmerzahl nicht signifikant (RR 0,67; 0,38–1,14).

Fazit: Laut Stephen Duffy vom Wolfson Institute of Preventive Medicine in London kann es nach der NELSON-Studie keinen Zweifel mehr am Nutzen eines CT-Screenings geben. Zu klären sei jetzt nur noch dessen Kosteneffektivität, so der Kommentator. In den USA wird seit 2013 Erwachsenen im Alter von 55 bis 80 Jahren mit einschlägigem Risiko (30 Packungsjahren in der Anamnese) zur Früherkennung mittels CT geraten. Nach wie vor rätselhaft ist der vermutlich größere Erfolg des Screenings bei den Frauen. Dieser wird allerdings durch die kürzlich publizierte, deutsche LUSI-Studie (Lung Cancer Screening Intervention) bestätigt. Rüdiger Meyer

de Koning HJ, et al.: Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial. NEJM 2020; 382: 503–13.

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Avatar #759674
planetzero3@live.de
am Freitag, 28. Februar 2020, 19:48

Nur die halbe Wahrheit

Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass die Gesamtsterblichkeit in der Kontrollgruppe tendenziell niedriger war als in der Screeninggruppe (130 vs. 132).
Ein Phänomen, das wir übrigens auch aus anderen Screening-Studien kennen (u.a. Mammakarzinom).
Ob ein solches Screening Sinn macht, ist zumindest diskussionswürdig. Ich wage es zu bezweifeln.