ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2020Malignome in der Kindheit: Lebenserwartung ist in den vergangenen drei Dekaden stark angestiegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Malignome in der Kindheit: Lebenserwartung ist in den vergangenen drei Dekaden stark angestiegen

Dtsch Arztebl 2020; 117(9): A-447 / B-391 / C-375

Gerste, Ronald D.

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Foto: FatCamera/iStock
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Circa 80 % aller an Krebs erkrankten Kinder überleben die Diagnose mindestens 5 Jahre. Auf lange Sicht haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko von Morbidität und früher Mortalität als Folge der in der Kindheit oder dem Adoleszentenalter erfolgten Therapie. In den USA geht man davon aus, dass einer von 3 ehemaligen pädiatrischen Patienten binnen 20 Jahren nach Diagnose ein lebensbedrohliches Ereignis erleben wird. In den vergangenen Jahrzehnten gab es Änderungen der Therapieschemata wie die Reduzierung der kumulativen Dosen der Bestrahlung und Verbesserungen in der Chemotherapie mit dem Ziel, die Rate schwerwiegender Langzeitfolgen zu vermindern.

Ob dies in den vergangenen Jahrzehnten gelungen ist, wurde in einer Mikrosimulation verschiedener Mortalitätsrisiken basierend auf Daten der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS) in den USA geprüft. In der CCSS werden die 5-Jahres-Überlebenden registriert, bei denen vor dem 21. Lebensjahr eine maligne Erkrankung diagnostiziert und behandelt wurde, vor allem Leukämien, Tumoren des Zentralnervensystems, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome, Wilms-Tumore, Neuroblastome und Knochentumoren.

Die zu 56 % männlichen Patienten waren bei Diagnosestellung durchschnittlich 7,3 Jahre alt. Für die 5-Jahres-Überlebenden einer pädiatrischen Krebserkrankung, die von 1970–79 diagnostiziert wurden, errechneten die Autoren eine konditionierte Lebenserwartung von 48,5 Jahren (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [47,6; 49,6]), für Patienten aus der Ära 1980–89 von 53,7 Jahren [52,6; 54,7] und für Kinder und Jugendliche, deren Malignom zwischen 1990 und 1999 diagnostiziert wurde, von 57,1 Jahren [55,9; 58,1]. Im Vergleich zu einem Kollektiv ohne Krebserkrankung in der Biografie war die Lebenserwartung um 16,5 Jahre [15,5; 17,5] für die Patienten aus den 1970er-Jahren, um 12,3 Jahre [11,3; 13,4] für die Patienten aus den 1980er-Jahren und um 9,2 Jahre [8,3; 10,4] für Patienten aus den 1990er-Jahren reduziert. Am ausgeprägtesten war die Verbesserung der Lebenserwartung bei Patienten, die ausschließlich eine Chemotherapie erhalten hatten. Deren „Life Expectancy Gap“ zu einer gesunden Kohorte verringerte sich von 11,0 Jahren [9,0; 13,1] für die von 1970–79 Diagnostizierten auf 6,0 Jahre [4,5; 7,6] für Patienten mit Diagnosestellung zwischen 1990 und 1999.

Fazit: „Die hier vorgestellte Studie hat eine enorme Bedeutung und zeigt die Erfolge der langjährigen systematischen Weiterentwicklung der Krebsbehandlung durch Survivorship-Monitoring“, erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Keilholz, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Center in Berlin. „Einerseits ist die langfristige Verbesserung der Überlebenszeiten eine sehr gute Nachricht. Andererseits ist diese Studie Ansporn und Anleitung, Survivorship-Programme für Kinder und junge Erwachsene nach kurativer Krebsbehandlung weiterzuentwickeln. Diese Weiterentwicklung muss vorrangig drei Ziele verfolgen: Verbesserung der Mortalität, detailgenaue Verbesserung der Morbidität und psychosoziale Aspekte. In diesem Sinne also: weiter so!“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Yeh JM, Ward ZJ, Chaudhry A, et al.: Life expectancy of adult survivors of childhood cancer over 3 decades. JAMA Oncol 2020; doi:10.1001/jamaoncol.2019.5582

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